
Sicher ist auch: Hamburg aus dem Flugzeug ist wunderbar. Tief unten diese große und doch übersichtlich rund um die Alster und entlang der Elbe sich erstreckende Stadt. Und wenn man Glück hat, dann glitzert das Wasser in der Sonne, und auch die vielen Kanäle werden plötzlich sichtbar, überspannt von gut 2300 kleinen und großen Brücken (alter Wettstreit mit Venedig und Amsterdam: wer hat die meisten?) - und die Bäume zeigen sich in ihrer Masse: Erst aus der Luft wird deutlich, wie grün diese Stadt ist. Es gibt Luftaufnahmen - Perspektive: vom Norden gesehen über der Alster -, da sieht man rund um das Wasser vor lauter Baumkronen die Stadt kaum noch. Nur so kann jemand auf die Idee kommen, eine Straße einfach "Baumkamp" zu nennen (in Winterhude, in der Nähe des Stadtparks).
Die Hamburger lieben ihre Stadt, und sie mögen es, wenn andere sie bewundern. Etwa bei der Fahrt im ICE Richtung Süden: Vor allem die Eppendorfer, ohnehin eine Familie für sich, nutzen zum Ein- und Aussteigen nicht so gern den Hauptbahnhof, sondern lieber den entzückenden kleinen, neu renovierten Dammtor-Bahnhof, der nur zwei übersichtliche Bahnsteige hat und wo dennoch fast sämtliche Fernzüge halten.
Dann kann es vorkommen, dass neben einem eine Familie aus Kiel sitzt und der Vater kurz vor der Fahrt über die Lombardsbrücke zu den Kindern sagt: "Passt auf, gleich kommt der schöne Blick!" Gemeint ist das Panorama rund um die Binnenalster: ein Ensemble von Kaufhäusern, Einkaufspassagen, Bürohäusern, Reedereien und dem ehrwürdigen Hotel "Vier Jahreszeiten".
Ich erinnere mich noch, woran ich als Kind in der Eisenbahn erkannte, dass wir uns Hamburg näherten: Da kamen erst die Elbbrücken, dann aber, selbst bei Nacht als Leuchtschrift erkennbar, das rote Schriftband des "Spiegel" oben am Verlagshaus. Dann war der Hauptbahnhof nicht mehr fern. Und wenn ich heute mit dem Rad in die Redaktion fahre, gibt es Momente von Glück, in dieser Stadt zu leben. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich irgendwo auf der Alster oder in einem der Kanäle die gute alte "Seebek" entdecke, bei deren Taufe ich vor 45 Jahren dabei war.