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DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

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Das kleinste Bundesland in Deutschland

 

Bremen__Gassen

So viel zur Oberfläche. Bremen ist ja eigentlich ein Dorf. Oder sagen wir viele Dörfer, aneinandergereiht, zu beiden Seiten der Weser, zig Kilometer in der Länge, die Breite so gering, dass man mit dem Fahrrad in zehn Minuten im Grünen ist. Bremens Stadtteile sind durchzogen von Heerstraßen, die niemals viel Militär gesehen haben, ein Viertel am anderen, ein Viertel anders als das nächste, aber jedes mit seinem eigenen Stolz und seiner Tradition. Ein Vegesacker aus Bremen-Nord würde sich nicht unbedingt im „wilden Ostertor“ wohl fühlen.

Und umgekehrt. Ein Restaurant wie das im Künstlerhaus Am Deich 68 liegt für die Innenstädter auf der falschen Seite der Weser, obwohl dorthin nur zehn Minuten Fußweg zurückzulegen sind. Und so geht das fort. Und doch hält die Stadt zusammen wie Pech und Schwefel, wenn es um den Erhalt der Selbstständigkeit der Hansestadt geht oder gegen die angedrohte Schließung des örtlichen Rundfunksenders, wenn es um die grünweiße Fußball-Bundesliga-Mannschaft geht oder gegen die Überheblichkeiten der schwesterlichen Hansestadt Hamburg, die von Zeit zu Zeit Bremen für „tiefste Provinz“ hält. Dorthin würde ein Hamburger nicht mal seine Schuhspitze setzen. Und leben schon gar nicht.

Bremen ist offen und liberal, was eine seiner herausragenden Qualitäten ist. Hier wird eine abweichende Meinung geduldet, hier werden Querdenker nicht abgestraft. Die Stadt war schon immer ziemlich links, nicht nur während der Räterepublik in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, sondern auch noch, als sehr verspätet die Universität 1972 aufs platte Land gesetzt wurde. „Rote Kaderschmiede“ nannte man sie allenthalben und lange haftete ihr dieser Ruf an. Inzwischen haben sich die Vorurteile gelegt und Bremer Akademiker genießen einen hohen Ruf. Das neben der Universität entstandene High-Tech-Viertel mit ungezählten innovativen Betrieben ist ein Beweis dafür, dass sich die ehrwürdige Hansestadt ständig zu erneuern weiß.

„Buten un binnen“, „Wagen und winnen“, so steht es am Schütting, dem Sitz der Handelskammer, der sich am Marktplatz befindet. Und das ist mehr als ein Programm. Nicht zuletzt die „Rotweinnasen, Bierbrauer und Kaffeeröster“, wie ich sie etwas despektierlich in meinen Kriminalromanen genannt habe, sind oft die Mäzene eines aktiven Kulturlebens, das immer weniger von der öffentlichen Hand zu erwarten hat. Da gibt es Opernaufführungen von den Gnaden einer allseits bekannten Kaffeesorte und Musicalpremieren mit der Unterstützung der größten Bank am Platze.

Hilfreich sind dabei in Bremen die kurzen Wege. Fast jeden Tag trifft man den radelnden Bürgermeister oder einen seiner Senatskollegen in der Stadt. Natürlich ohne Bodyguards. Wer etwas zu erreichen sucht, weiß an wen er sich zu wenden hat. Und auch Gerüchte sind oft schnell dort angelangt, wohin man sie lancieren möchte. Bremen ist tatsächlich ein Dorf. Mit der Mentalität einer Metropole, na ja, das wäre zuviel gesagt, eher mit der Mentalität eines Oberzentrums. Denn eines hat der Bremer zu seinem ersten Wahlspruch erkoren: „Bremer, Bremer weest bedächtig“ bescheiden bleiben, ja nicht den Kopf zu weit herausstrecken. Und diejenigen, die dies doch tun, erst mal mit Verachtung strafen. Wenn sie dann andernorts gepriesen werden, dann kann man sich das ja noch mal überlegen.

 



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Datum: 28.12.2006