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DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

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Geschichte und Zukunft

 

SA__Merseburg

Dabei muss ein Land natürlich auch nach vorne schauen – aber das geht allemal leichter, wenn man sich des Hinterlands versichert hat: Mittelalterliche Burgen wie der Stammsitz des Wettiner-Geschlechts, der unweit von Halle über der Saale thront, das kostbare Fachwerk von Quedlinburg, die mehr als 500 Jahre alte Universität von Wittenberg und Halle, der Naumburger Dom mit seinen weltberühmten Stifterfiguren Ekkehart und Uta, das von Weimar nach Dessau übersiedelte Bauhaus, das hallesche Bildungswerk des Pietisten August Hermann Francke – damit lässt es sich leben.

Freilich bündelt die Landschaft zwischen Harz und Lausitz, Thüringer Holzland und Fläming auch wie in einem Brennglas die politische und wirtschaftliche Geschichte des 20. Jahrhunderts. War das Mansfelder Land mit seinen Schätzen an Silber und Kupferschiefer schon im Mittelalter zur Fundgrube geworden, begann man das mitteldeutsche Revier bis in die letzten Jahre der DDR hinein immer rabiater umzupflügen, um der Braunkohle-Vorkommen habhaft zu werden. Tagebau und Industrieanlagen, in denen die Kohle veredelt wurde, prägten das Gesicht der Landschaft. Zwischen Merseburg, Halle und Bitterfeld wuchsen gigantische Chemiebetriebe.

Wer heute nach Sachsen-Anhalt kommt, wird an Stelle der ruinösen, alten Fabriken hochmoderne Anlagen und Industrien mit Zukunftspotenzial vorfinden. Die großen Namen der Chemie- und Pharma-Industrie produzieren für internationale Märkte. Enercon baut Windräder, Q-Cells produziert leistungsfähige Solarzellen und Mercateo, der größte offene B2B-Internet--Marktplatz Deutschlands betreut seine Kunden und Lieferanten von hier aus.

Das alles hat seinen Preis gehabt. Viele, deren Betriebe in der Marktwirtschaft nicht bestehen konnten, haben ihre Arbeit verloren. Vor allem junge Menschen sind fortgegangen – dorthin, wo sie Arbeit finden konnten. Die Folgen für die Städte in Sachsen-Anhalt sind unübersehbar: Bevölkerungsschwund, Wohnungsleerstand, Gebäudeabriss.

Aber es hilft ja nichts, wenn das Land sich nicht auch selber hilft. Deshalb wird sich eine Internationale Bauausstellung dem Stadtumbau widmen, die ersten Projekte sind unter Federführung des Dessauer Bauhauses bereits in Gang gesetzt: Wie soll die Stadt, wie soll die ländliche Infrastruktur in zwei Jahrzehnten beschaffen sein – wie werden die Generationen hier miteinander leben? Es ist absehbar, dass andere Länder schon bald von den Erfahrungen und Lösungen Sachsen-Anhalts profitieren.

Saniert und an alte Bedeutung erinnert, strahlen indes viele Städte und Dörfer so viel Selbstbewusstsein aus, dass es eigentlich ansteckend wirken muss. Kommt man heute in die Altstadt von Halle, die im Grau der DDR-Jahre ganz und gar versunken war, wird man ebenso überrascht sein wie angesichts der Schönheit, die nun auch kriegswunden Städten wie Halberstadt und Magdeburg oder der „wachgeküssten“ altmärkischen Hansestadt Salzwedel und ihrem restaurierten Fachwerk wieder eigen ist.

 



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Datum: 28.12.2006