Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrter Herr Vizepräsident der Kommission,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete!
Ich freue mich, das das Thema „Zukunft der europäischen Luftfahrtindustrie“ heute Gegenstand der Debatte ist. Denn diese Branche verkörpert tatsächliche Zukunftsfähigkeit, Hochtechnologie und Wachstumspotenziale für Europa. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Ziele der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung. Airbus ist dabei das herausragende Projekt.
Airbus steht für eine großartige Idee: für die Idee, die technologischen Kompetenzen mehrerer europäischer Nationen zu bündeln und ein starkes Unternehmen der Luftfahrtindustrie zu schaffen, das sich auf dem Weltmarkt behauptet. Airbus hat eine atemberaubende Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Flugzeuge von Airbus – 4.600 sind bis heute ausgeliefert worden – repräsentieren europäische Hochtechnologie auf allen Flughäfen der Welt. Airbus leistet damit einen wichtigen Beitrag zur europäischen Identität.
Airbus hat aber auch Probleme. Im Jahr 2006 gaben sich Erfolg und Krise bei Airbus die Hand. Auf der einen Seite war Airbus im Jahr 2006 Nr. 1 auf dem Weltmarkt – ein stolzer Erfolg. Auf der anderen Seite gab es durch die starke Auslieferungsverzögerung beim A380 – dem neuen Großraumflugzeug – einen massiven Ertragseinbruch beim Unternehmen. Probleme ergeben sich auch aus dem schwachen Dollar! Airbus wird für Euro produziert und für Dollar verkauft.
Auch der Entwicklungsrückstand des A350 XWB zum amerikanischen Konkurrenten Dreamliner 787 muss verkürzt werden. Der Flugzeugbau steht ja vor einer technologischen Revolution, es geht dabei um den Übergang vom Metall- ins Kunststoffzeitalter. Jenseits des Atlantiks hat man das schneller erkannt als bei uns. Der Markt verlangt nach solchen Flugzeugen. Airbus will nun neue Kraft gewinnen. Airbus muss seine Wettbewerbsfähigkeit steigern und seine Zukunftsfähigkeit sichern. Eine Garantie auf die Zukunft gibt es nur durch stets neue Anstrengungen und die Bereitschaft und Fähigkeit zu Innovationen.
Bei Airbus steht ein Restrukturierungsprozess an, der bei allem Interesse der Politik eine Aufgabe des Unternehmens selbst ist.Dabei ist das Management von Airbus gut beraten, im intensiven Dialog mit seinen Mitarbeitern die notwendigen Maßnahmen zu erörtern. Schließlich sind die Mitarbeiter das wichtigste Kapital eines Unternehmens. Eine Chance für eine höhere Arbeitsplatzsicherheit kann durchaus in der Gewinnung starker industrieller Partner liegen, die eigenes Kapital und eigenes Know-how mit einbringen und die sich das Risiko und die Chancen mit Airbus teilen. Die Entscheidung darüber liegt aber einzig und allein beim Unternehmen. Die Politik ist für die Rahmenbedingungen zuständig. Und sie sollte dafür sorgen, dass eine faire Balance mit Blick auf die Chancen und Lasten zwischen den beteiligten europäischen Nationen herrscht. Es geht hierbei um Arbeitsplätze und technologische Kompetenzen. Diese faire Chancen- und Lastenverteilung zwischen den beteiligten europäischen Nationen scheint zu gelingen.
Es gibt auch eine Reihe von anderen europäischen Projekten, wie z.B. Eurofighter, Eurocopter oder Agusta Westland. Hier ist es ebenfalls gelungen, in einer länderübergreifenden Zusammenarbeit die technologischen Kompetenzen der einzelnen Partner zu nutzen, um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln und zu produzieren.
Die europäische Zusammenarbeit besteht aber nicht nur auf der Ebene der Systemhersteller, sondern angesichts des zunehmenden globalen Wettbewerbs und steigender technologischer Komplexität auch auf der Ebene der Zulieferer und Triebwerkshersteller, wie z.B. Thales, Diehl, Rolls Royce, MTU, Snecma, Alenia und andere – um nur einige beispielhaft zu nennen. All diese Unternehmen mit ihren Beschäftigten tragen dazu bei, dass sich die europäische Luftfahrtindustrie in dem sich verschärfenden internationalen Wettbewerb gut positioniert.
Nachhaltiger Luftverkehr als europäische Herausforderung
Lassen Sie mich zum Schluss noch die wichtigen Fragen Klimaschutz und Umweltverträglichkeit ansprechen. Klimaschutz und Umweltverträglichkeit ist eine Frage an die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Die damit verbundene technologische Herausforderung hat die europäische Luftfahrtindustrie bereits im Jahr 2000 angenommen. In der Vision 2020 haben Industrie, Wissenschaft und Politik gemeinsam ehrgeizige Ziele und Herausforderungen für ein nachhaltiges Luftverkehrssystem definiert. So soll bis zum Jahr 2020 der spezifische Treibstoffverbrauch und der CO2 Ausstoß um 50% gesenkt, der spezifischen Stickoxid-Ausstoß um 80% reduziert, der Fluglärm bei An- und Abflug halbiert werden.
Um diese ehrgeizigen Ziele in wenig mehr als einer Dekade zu erreichen, ist eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure notwendig.
Vielen Dank.