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24.05.2007

Informeller EU-Ministerrat zur Stadtentwicklung und zum territorialen Zusammenhalt verabschiedet „Leipzig Charta"

Bundesminister Wolfgang Tiefensee: Renaissance der Innenstädte geht voran

Leipzig

"Wohnen in der Stadt wird zunehmend beliebt. Das ist eine gute Entwicklung, die wir weiter stärken müssen. Die Familien kehren vom Stadtrand und der grünen Wiese in die Innenstädte zurück. Urbanität wird zum Gütesiegel. Industrielle Flächen werden neu genutzt. Wohnen und Arbeiten auf ehemaligen Industriebrachen wird attraktiv. Kurzum: Europas Städte erleben derzeit eine Renaissance. Es ist Aufgabe der Politik, diese Renaissance durch eine neue Phase der Stadtentwicklung zu gestalten. Mit der "Leipzig Charta" haben sich erstmals die 27 für Stadtentwicklung zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten auf gemeinsame Grundsätze und Strategien für die Stadtentwicklungspolitik geeinigt. Wir wollen Grundlagen für eine neue Stadtpolitik in Europa schaffen. Deshalb brauchen wir ein Modell der integrierten Stadtentwicklung. Es muss Bürgerbeteiligung in der Stadtplanung genauso berücksichtigen wie eine bessere Koordinierung öffentlicher und privater Investitionen für und in Städten", sagte Tiefensee als amtierender EU-Ratspräsident.

"Wir müssen vor allem die Innenstädte weiter stärken. In Europa sind Städte die Motoren gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Deswegen muss die Stadtentwicklung in der europäischen Politik künftig eine wichtigere Rolle spielen. Hier entscheidet sich nicht nur, ob die Menschen in einem guten sozialen Umfeld leben, hier wird europäische Integration für die Menschen erlebbar."

Die "Leipzig Charta" schaffe Grundlagen für eine neue Stadtpolitik in Europa und formuliere die Idee der Europäischen Stadt neu. "Mehr als 60 Prozent der europäischen Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten mit mehr als 50.000 Einwohnern. Die Mitgliedstaaten der EU müssen jetzt handeln, um die Auswirkungen des demographischen Wandels, des Klimawandels und des globalen ökonomischen Strukturwandels in den Städten bewältigen zu können. Wir müssen gemeinsam etwas gegen Einseitigkeit und Monotonie in den Städten tun. Die Zeiten einzeln optimierter Wohn- und Geschäftsviertel, überdimensionierter Einkaufszentren und großen Verkehrsflächen sind vorbei. Wohnen, Arbeiten und Freizeit müssen sich in den Städten wieder stärker miteinander vermischen. Dadurch können Städte spannender, lebendiger und sozial stabiler werden. Die inzwischen fast überall erkennbare Renaissance der Stadtkerne muss durch klug vernetzte öffentliche und private Projekte weiter unterstützt werden", so Tiefensee.

Zu den Herausforderungen, vor denen europäische Städte stehen, zählte der Minister auch die Jugendarbeitslosigkeit. "Bei einer Arbeitslosenquote von Jugendlichen unter 25 Jahren von 18,6 Prozent müssen Städten enorme Schwankungen ausgleichen. Hier muss auch Stadtentwicklungspolitik Lösungen anbieten." Der Minister wandte sich gegen soziale Ausgrenzung und Isolierung einzelner Stadtteile. "Ein langfristiges und stabiles Wirtschaftswachstum ist nur möglich, wenn Städte als Ganzes sozial ausgeglichen und stabil bleiben", so Tiefensee. Abwärtsbewegungen und Stigmatisierung einzelner Stadtteile dürfe Politik nicht tolerieren. "Insbesondere dem Bildungsbedarf von Kindern und Jugendlichen in diesen Stadtteilen müssen wir noch mehr Aufmerksamkeit widmen. Wenn mehr als die Hälfte der Jugendlichen in diesen benachteiligten Stadtteilen keinen Schulabschluss hat, sind Probleme in der Zukunft schon vorgezeichnet. Europa müsse aber alle Menschen mitnehmen", forderte der Ratspräsident.

Informationen zu der "Leipzig-Charta" finden Sie auf www.eu2007.de



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Datum: 25.05.2007