In der dritten Arbeitssitzung standen die Weiterentwicklung der militärischen Fähigkeiten der Europäischen Union und die Europäische Verteidigungsagentur auf dem Plan. Schwerpunkte der Gespräche über die militärischen Fähigkeiten waren der "Headline Goal"-Prozess, die schnelle Reaktionsfähigkeit und der Fähigkeitenentwicklungsplan.
Der "Headline Goal"-Prozess werde während der deutschen Ratspräsidentschaft in enger Abstimmung mit allen Mitgliedsstaaten vorangetrieben, so Minister Jung. Das erste Ziel ist bereits erreicht: die Erstellung des Streitkräftekatalogs 2007 mit den Beiträgen der neuen Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien. Die Definition der Struktur des Fortschrittkatalogs, die Analyse der eingemeldeten Kräfte und Fähigkeiten hinsichtlich bestehender Defizite und Überhänge und die Entwicklung der Methodologie für die Bewertung der operativen Auswirkungen sind Inhalt der laufenden Arbeiten.
Als nächsten Punkt sprach der Minister die Weiterentwicklung der schnellen Reaktionsfähigkeit an. Die EU-Battlegroups sind seit Anfang des Jahres voll einsatzbereit. Mittelfristig sollten die Voraussetzungen für eine schnelle Krisenreaktion mit Beiträgen aller Teilstreitkräfte weiterentwickelt werden. Es gehe dabei um erweiterte abgestufte Handlungsmöglichkeiten mit allen verfügbaren militärischen Mitteln. Hierzu dient die seitens der deutschen, portugiesischen und slowenischen Ratspräsidentschaften angeregte Überarbeitung des EU Military Response Concept (MRRC).
Im Mittelpunkt stehe die Entwicklung effizienter Mechanismen zur Bereitstellung von Kräften für die schnelle Krisenreaktion mit Elementen aller Teilstreitkräfte. Jung betonte, dass es dabei nicht um eine Ausweitung der Fähigkeitenforderungen oder den Aufbau neuer stehender Strukturen oder Standby-Mechanismen gehe.
Der dritte Punkt war der Plan zur Fähigkeitenentwicklung (Capability Development Plan). Während des informellen Treffens der Verteidigungsminister in Levi während der finnischen Ratspräsidentschaft erhielt die Europäische Verteidigungsagentur den Auftrag, diesen Plan zu entwickeln. Dieser solle in Form einer Matrix kurzfristige Fähigkeitsforderungen, mittelfristige Planungen und langfristigen Fähigkeitsbedarf zusammenführen.
Zuletzt ging der Minister auf die Europäische Verteidigungsagentur ein. Er unterstrich die Bedeutung einer wettbewerbsfähigen Europäischen Industriellen Rüstungs- und Technologiebasis (European Defence Technological and Industrial Base). Sie sei die besondere Herausforderung für das Jahr 2007. Eine leistungsfähige und zuverlässige wehrtechnische Industrie sei für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte unerlässlich. Wie wichtig die Ausrüstung für die Erfüllung eines Auftrags ist, zeigten die internationalen Einsätze von Europäischer Union und NATO.
Eine europäische Industrielle Rüstungs- und Technologiebasis müsse sich am militärischen Bedarf der Streitkräfte orientieren. Darum müsse der militärische Bedarf der Mitgliedstaaten auf der Basis der zunehmenden gemeinsamen Einsätze abgestimmt werden. Dies müsse die Europäische Verteidigungsagentur leisten. Es müssen echte Rüstungskooperationen entstehen. Die sichere Versorgung mit Rüstungsgütern müsse durch verlässliche Vereinbarungen zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gefestigt werden.