Am 2. März, dem zweiten Arbeitstag des informellen EU-Verteidigungsministertreffens in Wiesbaden, standen die Lage im Sudan, die militärische Zusammenarbeit der Europäischen Union und der Vereinten Nationen sowie die Weiterentwicklung der militärischen Fähigkeiten der Europäischen Union auf dem Plan.
An den Arbeitssitzungen unter dem Vorsitz von Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung nahmen neben den Verteidigungsministern der 27 EU-Mitgliedsstaaten der Generalsekretär und Hohe Repräsentant Dr. Javier Solana und weitere Vertreter der Europäischen Union teil.
Erster Punkt der Tagesordung war die aktuelle Lage im Sudan. Verteidigungsminister Jung stellte fest, dass es bisher keine zufriedenstellenden Ergebnisse zum vorgeschlagenen 3-Phasen-Modell für den Übergang der Mission der Afrikanischen Union im Sudan (AMIS) in eine Mission der Vereinten Nationen gebe. Möglich wäre eine "Hybrid-Mission" mit den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und dem Sudan.
Das Mandat für die Mission der Afrikanischen Union ist bis zum 30. Juni 2007 verlängert worden. Dementsprechend muss die Unterstützungsmission für AMIS fortgesetzt werden. Die Überführung in eine "Hybrid-Mission" sollte dennoch mit Nachdruck vertreten und weiterverfolgt werden, so der Minister.
Zweites Thema war die militärische Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den Vereinten Nationen. Im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) hat sich die Europäische Union das Ziel gesetzt, Frieden und Sicherheit zu wahren und und unter anderem die Vereinten Nationen bei ihren Bemühungen zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit hat sich bereits mehrfach bewährt; im militärischen Krisenmanagement zuletzt bei der Sicherung der Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo. Jung unterstrich, dass EUFOR RD Congo ein sehr erfolgreicher Einsatz gewesen sei, basierend auf einer abgestuften, zeitlich begrenzten und glaubwürdigen Präsenz mit begrenzten militärischen Mitteln und breiter multinationaler Beteiligung.
Grundsätzlich solle die Entscheidungsautonomie bei der Europäischen Union bleiben. Einen Automatismus in der Bereitstellung von Kräften für die Vereinten Nationen werde es nicht geben, so Verteidigungsminister Jung. Die bisherigen Erfahrungen sollten genutzt werden, um die zukünftige Zusammenarbeit weiter zu optimieren. Ein "Lessons Learned"-Prozess habe bereits begonnen, dessen Ziel es sei, die Erfahrungen aller an einer Operation beteiligten militärischen und zivilen Akteure zusammenzuführen. Dabei betonte der Minister, dass jede Operation eine neue Herausforderung darstelle. Lehren könnten nicht immer vollständig übertragen werden.
Vom 19. bis 21. März findet außerdem in Berlin ein Seminar zu den "Militärischen Aspekten der Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den Vereinten Nationen" unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen aus der Operation EUFOR RD Congo statt.