
Ja, die Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Wo wäre sie schöner zu betrachten als auf dem Jacobskirchhof in Weimar. Cranach liegt hier, Schiller lag da, er wurde umgebettet, und Christiane Vulpius ist hier. Ihr Grab erkennt man an stets frischen Blumen. So viel Verehrung für Liebe macht Mut. Den braucht man auch, sieht man in das andere Gesicht der Stadt. Was mit der Vertreibung der Kunstschule Bauhaus begann, endete in Buchenwald auf dem Ettersberg, jenem Ort, an dem Goethe und Eckermann ihre Spaziergänge pflegten.
Die Nazis ermordeten in der Hölle des Konzentrationslagers 56000 Menschen. Und noch einmal 7000 starben nach dem Krieg, als aus dem KZ das sowjetische Speziallager 2 wurde, in dem Kriegsverbrecher, aber auch Unschuldige, interniert waren. Geist und Grauen, beides gehört zu Weimar, auch wenn es schmerzt. Beim Kunstfest in jedem Sommer, dessen viel beachtete Intendantin den schönen Namen Wagner trägt, Nike Wagner, ist zu betrachten, wie eine Stadt und ein Land damit umgehen. Das Eröffnungskonzert ist stets den Opfern gewidmet. Das verdient Respekt und rührt das Herz.
Die Frau hat Sympathie, und solche gab es immer in der Stadt. Zum Beispiel die Herzogin Anna Amalia. Sie verfügte 1761 den Umbau eines fürstlichen Wohnhauses zur Bibliothek. Jener, die im Herbst 2004 in Flammen stand und Bücherfreunde der ganzen Welt enger zusammenrücken ließ. Die Kosten der Sanierung des Unesco-Weltkulturerbes werden auf 11,4 Millionen Euro geschätzt. Allein durch private Spenden kamen bis jetzt fast zehn Millionen für die Restaurierung und den Ersatz von Büchern zusammen. Wenn das kein Bürgersinn ist. Deutschlands berühmter Regisseur Peter Stein liest den Wallenstein in Weimar, in einem alten Elektrizitätswerk. Auf die Bühne will er die Trilogie im nahen Frankfurt bringen. Es hängt, wie könnte es anders sein, am Gelde.