
Was fiel als Erstes auf? Der Raum zwischen A und B. Was sich wie eine mathematische Denkfigur ausnimmt, ist die Beschreibung meiner ersten Begegnung mit Schleswig-Holstein. Es war um 1985, als ich auf einer Autofahrt bemerkte, wie lange man fahren kann, ohne ein Dorf oder gar eine Stadt zu durchfahren.
Es war die ganz eigentümliche Landschaft „dazwischen“, die diese Gegend prägte. Jetzt lebe ich in diesem Bundesland seit fast 15 Jahren und diese erste Erfahrung ist geblieben, durch nichts Späteres weggeschoben, ungültig gemacht worden. Sie ist mit einem Wort auch aktuell der Schlüssel für den Blick auf dieses Land zwischen Nord- und Ostsee.
Natürlich sind es die Städte, die Orte, die das Bild des Landes prägen. Aber sie tun es nicht so stark und deutlich wie in anderen Ländern. Nun will ich damit nicht dem Klischee von der reinen und unverdorbenen Natur am nördlichen Rande Deutschlands das Wort reden. Obwohl: Ansprechen muss man die Klischees, denn sie bestimmen immer noch entscheidend das Bild, das man sich von Schleswig-Holstein macht.
Da sind das Meer, die Schafe, die Deiche, die Kühe und das weite flache Land. Hinzu gehören der Wind, die Leuchttürme und die Schiffe. Und schließlich die Bewohner. Sie werden bis hinein in die Fernsehwerbung als wortkarg und verschlossen – eben als typisch norddeutsch gezeichnet. Dieser Blick auf Schleswig-Holstein ist nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ausreichend. Schauen wir also genauer hin!