
Tapfer müssen die Sachsen-Anhalter allesamt sein, damit man sie bemerkt. „Wir stehen früher auf“ heißt neuerdings die Parole der Landesregierung unter dem christdemokratischen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer. Sie entstammt einer Umfrage, wonach die Menschen in Sachsen-Anhalt im Schnitt früher aufstehen als die Menschen in anderen Bundesländern, und soll das Image des Landes nach innen und außen verbessern, Selbstbewusstsein schaffen und Touristen und Investoren anziehen.
Der Spruch verweist aber auch darauf, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt oft ihrer Zeit voraus waren und mit ihren Ideen und Erfindungen das Land und die Welt veränderten – siehe Martin Luther, siehe Walter Gropius, der mit dem Bauhaus Kunst und Architektur der klassischen Moderne prägte, siehe die Himmelsscheibe von Nebra.
Nun werden Spötter sofort sagen: Wer früher aufsteht, wird auch früher müde sein. Aber der aufmunternd gedachte Spruch meint ja etwas anderes, er will die Pfiffigkeit ausdrücklich für das eigene Land in Anspruch nehmen: Wo die Sachsen sich selbst „helle“ finden, steht ein Sachsen-Anhalter nicht im Dunkeln – egal, wie früh er aufgestanden ist. Und wer sein Tagwerk redlich vollbracht hat, darf getrost die Beine strecken.
Wo sollte das mehr Geltung haben als hier, im Kernland protestantischer Tugenden. Das reicht von Eisleben im Mansfeldischen, wo Luther geboren wurde und auch gestorben ist, bis nach Wittenberg, wo er die Reformation angezettelt hat – an Martin Luther kommt in Sachsen-Anhalt keiner vorbei.