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DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

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Neue Zeiten im „Pott“

 

NRW__Duisburg

Stichwort Strukturwandel: Vor 1850 gab es im Ruhrgebiet lediglich ein bisschen Landwirtschaft. Dann kamen Kohle und Stahl mit einer bisher nicht gekannten Macht, in „amerikanischem Tempo“, wie man damals sagte. Der Montanbereich und mit ihm das gesamte industrielle Umfeld schmiedeten ein Denken in Großkategorien. Aber von den einst 186.000 Mitarbeitern in insgesamt 52 Bergwerken stehen heute nur noch 60.000 in 12 Bergwerken auf der Lohn- und Gehaltsliste. Von den 29 Kokereien an Rhein und Ruhr Ende der 1970er Jahre war zum Ende des Jahrhunderts nur noch eine einzige übrig geblieben.

Zur Jahrtausendwende schlossen sich Thyssen und Krupp, RWE und VEW, GEA und Metallgesellschaft, Mannesmann und Vodafone, Degussa und Hüls – Unternehmen mit zum Teil mehr als 100-jähriger Tradition, Pioniere der Industrialisierung – zu neuen Großkonzernen zusammen und leiten seitdem eine Beschleunigung des viel beschworenen Strukturwandels ein. Neue Zeiten im „Pott“. Dass wir heute, nachdem sich Kohle und Stahl beinahe verabschiedet haben, mit der ehemaligen Gaskraftzentrale in Bochum, der so genannten Jahrhunderthalle, mit Zeche Zollern, der Kokerei Zollverein, dem Gasometer Oberhausen Theater, Musik und Bildende Kunst verbinden, ist für uns selbst relativ neu.

Die Bauwerke wurden nicht abgerissen, was wegen ihrer Imposanz im Nachhinein natürlich erscheint. Dass sie aber zu Laboratorien wurden, in denen, mitten in einer europäischen Industrielandschaft, Mozart, Brecht, Messiaen, Shakespeare fern aller Elfenbeintürme auf einen wirksamen „Gebrauchswert“ für das Leben im 21. Jahrhundert geprüft werden, besitzt atemberaubende Magie.

So rasch Sie sich ins Laute des Reviers eingefädelt haben, so rasch stehen Sie plötzlich wieder im Leisen, in der weiten Ebene des Niederrheins. Die Kontraste zwischen stark verdichteten Siedlungskernen und viel ländlichem Umland sind typisch für NRW.

Ich bleibe für einen Moment bei der Kunst. Folgen Sie der Zeichenspur eines Joseph Beuys, dem Mann mit dem Filzhut, der mit seinen Objekten und Aktionen immer wieder öffentliche Empörung auslöste, aber zugleich, als lebende Legende, Scharen von Anhängern und Bewunderern für seine Kunst und für seine Ideen zu gewinnen vermochte. Vernarrt in Beuys’ zartfließende Aquarelle, stehen Sie in Schloss Moyland bei Kleve.

Sie bewundern das Frühwerk des Künstlers. Mitten in einem Idyll mit Kopfweiden. Flach ist das Land, der Himmel weit ... Aber im Oktober wird es dann auch hier laut. Ein ohrenbetäubendes Geschnatter in der Luft. Die Ankunft sibirischer Wildgänse am Niederrhein ist ein spektakuläres Naturschauspiel.

 



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Datum: 05.01.2007