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DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

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Stadt im Wandel

Hamburg__Kanal

Wie eigentlich entdeckt man die eigene Stadt? Hamburg habe ich auf meine Art kennen gelernt: weil ich mich als Kind für Straßenbahnen interessierte, für Alsterschiffe und die U-Bahn. Ich habe die Heimatstadt erkundet, indem ich jede Strecke abfuhr, von einer Endstation zur anderen; ich wartete geduldig ab, bis die Fahrer ihre Pause absolviert hatten, und stieg wieder ein, um in die Gegenrichtung mitzufahren. Besonders faszinierten mich die Straßenbahndepots, dort standen oft noch uralte Bahnen herum, die gar nicht mehr oder nur zu Stoßzeiten zum Einsatz kamen. Und ich erlebte als kleiner Junge, wie im Mai 1959 auf der Binnenalster, am Jungfernstieg, die "Seebek" getauft wurde, ein damals ganz modernes Schiff mit viel Glas, ein "Wasserbus".

Auch für einen Hamburger, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren ist, hat sich die Stadt seit seiner Kindheit enorm gewandelt: Sie hat ein anderes Gesicht, wie ich immer wieder feststellen muss, wenn ich mir Fotos oder Wochenschauen aus den fünfziger Jahren ansehe und darin das Vertraute und Verlorene wieder erkenne. Auch die Straßenbahnen fahren längst nicht mehr, und der Linienverkehr der Alsterschifffahrt ist eingestellt worden - zum Glück fand sich ein Sponsor, der geholfen hat, die weiße Flotte zu erhalten, die nun hauptsächlich Touristen transportiert.

Aus meinem "Spiegel"-Büro schaue ich hinunter auf die Speicherstadt. Zum Glück: Auf der anderen Seite des Hauses verläuft die viel befahrene Ost-West-Straße, die genauso aussieht, wie sie heißt - eine hässliche Verkehrsachse, Ende der fünfziger Jahre quer durch die Stadt geschlagen. Die gern fotografierte Speicherstadt mit ihren roten Klinkerbauten aber ist ein architektonisches Kleinod, Kern der geplanten neuen Hafencity. - Am besten ist dieses Areal von einer Hafenbarkasse aus zu bewundern: Ein Wassertrip durch die Speicherstadt ist jeder Hafenrundfahrt unbedingt vorzuziehen. Wenn es eine Fahrt auf der Elbe sein soll, dann mit einem Linienschiff von den Landungsbrücken raus nach Blankenese - ein Genuss an schönen Tagen, die es öfter gibt, als das Vorurteil wissen will! Und anschließend hinauf auf den Süllberg, zu Fuß oder mit einem Bus, jenen Hügel, wo sich oben ein Restaurant mit Terrassencafé und langer Tradition befindet, heute anspruchsvoll modernisiert und recht vornehm - aber der kleine Rundturm, der dazu gehört, ist immer noch zu besteigen.

Von dort aus hat man den schönsten Blick auf den Elbstrom hinunter und auf die große Stadt in der Ferne, die immer noch weitgehend von ihren Kirchtürmen und nicht von imposanten Wolkenkratzern dominiert wird. Die Hamburger lieben ihre Stadt. Und es muss für die Menschen so faszinierend wie schrecklich gewesen sein, als sie in mehreren Sommernächten des Jahres 1943 vom Süllberg aus dem feurigen Untergang ihrer Stadt zusahen, in jenen Tagen und Nächten, als auch die weltoffene Hansestadt für den von Deutschen angezettelten und grausam geführten Krieg entsetzlich zu zahlen hatte.

In der Nacht des ersten großen Feuersturms, der Zehntausende das Leben kostete, soll sich eine Rauchsäule bis in eine Höhe von sechs, sieben Kilometer erhoben haben. Hamburger Dichter wie Hans-Erich Nossack oder Wolfgang Borchert haben die weitgehend zerstörte Stadt als Augenzeugen beschrieben.

 



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Datum: 28.12.2006