Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede
Mit der Auftaktkonferenz des Europäischen Forschungsrates und der konstituierenden Sitzung seines Wissenschaftlichen Rates beginnt ein neues Kapitel der europäischen Forschungsförderung.
Ich heiße Sie in Berlin herzlich willkommen und freue mich sehr, dass dieses bedeutende europäische Ereignis in unsere EU-Ratspräsidentschaft fällt.
Die Arbeit des Wissenschaftlichen Rates wird von dem geprägt sein, womit wir in Deutschland gute Erfahrungen gemacht haben: von der Unabhängigkeit der Wissenschaft bei der Auswahl zu fördernder Talente und Projekte. Das ist die Voraussetzung für wissenschaftliche Exzellenz als einzigem Kriterium für die Vergabe von Fördermitteln. Die besten Ideen werden sich im europäischen Wettbewerb durchsetzen. Das begründet die Souveränität der Wissenschaft gegenüber der Politik.
Auch die Politik gewinnt dadurch. Sie befreit sich von sachfremden Erwartungen, die dem Kriterium der Exzellenz abträglich sind. Politik gewinnt ihrerseits Souveränität, indem sie der Wissenschaft vertraut.
Politik und Wissenschaft haben bei der Entstehungsgeschichte des Europäischen Forschungsrates gut zusammengearbeitet. Die Wissenschaft gab den Anstoß; die Politik hat ihn umgesetzt. Herausragende Persönlichkeiten der Wissenschaft aus den Mitgliedsländern bilden den Wissenschaftlichen Rat. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen in den Mitgliedsländern der Europäischen Union für dieses wichtige Signal an die Wissenschaft und ich danke den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Rates für ihre Bereitschaft, in diesem zentralen Gremium europäischer Forschungspolitik zu wirken.
Ich bin zuversichtlich, dass der Europäische Forschungsrat eine der bedeutendsten Wissenschaftsinstitutionen der Europäischen Union werden wird.
Das neue Kapitel in der Europäischen Forschungsförderung vermag zugleich ein neues Kapitel in der Entwicklung der Europäischen Union zu werden, denn Forschung und Innovation sind wesentliche strategische Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit Europas. So steht es in der Lisabon-Strategie; deren Verwirklichung steht und fällt mit dem höheren Engagement der Mitgliedsländer und der Unternehmen in Europa, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Hier liegt der Schlüssel für unsere Zukunftsfähigkeit, für mehr Wohlstand und soziale Teilhabe. Wir nehmen die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick und bauen an neuen Brücken zwischen der Forschung und der Innovation.
Raum für Visionen, Raum für Risiko, Raum für die Besten, Raum für die Talente in Europa – so verstehen wir die neu geschaffene Möglichkeit der Förderung der Grundlagenforschung. Europa steht in einem internationalen Wettbewerb um Talente. Wir brauchen deshalb erfolgreiche Strukturen und Ideen, wie wir den gemeinsamen europäischen Forschungsraum stärken und attraktiv gestalten können. Der Europäische Forschungsrat gehört zu einem international wettbewerbsfähigen Forschungsstandort Europa.
Für den Start seiner Arbeit hat der Wissenschaftliche Rat einen wichtigen Akzent gesetzt: Die Förderung junger, viel versprechender Talente. Im April wird die Einreichungsfrist für junge Forscherinnen und Forscher beendet sein. Diese Förderlinie ist ein wichtiges Signal an junge Talente in Europa. Wir wollen ihnen innerhalb der Europäischen Union eine Perspektive bieten und im internationalen Wettbewerb der Talente für den Forschungsstandort Europa werben.
Dieser Akzent wird ebenso nachhaltig wirken wie die Tatsache, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Forschungsrahmenprogramms der Schwerpunkt der Europäischen Forschungsförderung nicht mehr allein auf der industriellen Forschung liegt, sondern vielmehr die Grundlagenforschung zum Thema auf europäischer Ebene wird.
Mit der Förderung themenoffener Projekte im Sinne von Pionierforschung schaffen wir in der Europäischen Union ein Instrument, um die kreativsten Köpfe zu identifizieren. Die besten Forscherinnen und Forscher werden ausgewählt und gezielt gefördert. Diese Auszeichnung durch den Europäischen Forschungsrat wird in Europa, aber auch international eine Dynamik in Gang setzen, die ihresgleichen sucht.
Mit dem 7. Forschungsrahmenprogramm bündeln wir die europäischen Forschungsanstrengungen und schaffen eine zentrale Plattform für die wichtigsten Forschungsthemen. Das 7. Forschungsrahmenprogramm ist nicht nur das weltweit größte Forschungsförderprogramm, es ist vor allem ein wichtiger Beitrag zu einer erfolgreichen Innovations- und Forschungspolitik in Europa. Mit einem Budget von 54 Milliarden Euro ist es das bislang längste und finanziell am höchsten ausgestattete Rahmenprogramm. Damit sind noch keineswegs alle forschungspolitischen Wünsche erfüllt. Wir brauchen weitere Zuwachsraten in der Zeit nach 2013.
Die verlängerte Laufzeit des Rahmenprogramms schafft mehr Kontinuität der Themen und Verfahren. Wir haben nun eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraumes.
„Wir können nicht stillstehen, wenn die Welt rund um uns herum in Bewegung ist“, schrieb Jean Monnet in seinen Erinnerungen. 50 Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge gehört die Konzentration auf die innovativen Kräfte der Forschung und der Entwicklung in Europa zu jenem Vertiefungsprozess in der Europäischen Union, der ihre innere Stabilität und die Ausstrahlungskraft der Europäischen Union im Internationalen Wettbewerb stärkt. Deshalb sage ich, dass das neue Kapitel in der Forschungsförderung auch ein neues Kapitel in der weiteren Entwicklung der Europäischen Union bedeutet.
Ich danke allen, die hierzu beigetragen haben. Ich freue mich darüber, dass Professor Winnacker die Aufgabe des ersten Generalsekretärs des Europäischen Forschungsrates übernommen hat und wünsche ihm sowie dem Präsidenten, Ihnen lieber Herr Professor Kafatos, und den Mitgliedern des wissenschaftlichen Rates alles Gute und viel Erfolg.