
Wenn man durch den Schnee am Rennsteig läuft, ist die Welt in Ordnung und Thüringen sowieso. Es muss nicht Schnee sein, auch dieses unvergleichliche Frühlingserwachen, die Sommerluft oder die Herbstblätter tun es. Man spürt die Stille auf der Haut und fragt sich, ob auch nur ein Mensch in Frankfurt ahnt, was es da so knapp vor seiner Haustür gibt. Thüringen ist wie gemacht für ein langes Wochenende, seit neuestem mit Wellness-Angeboten, Nordic Walking, Ski-Ausleihe und schon immer mit dem unverwüstlichen Rennsteig, auf dem sich die Wanderer mit „Gut Runst“ grüßen. Das bedeutet „Komm gut weiter“, ist aber nicht Pflicht, auch ein „Glückauf“ wird gern erwidert.
Freundliche Leute, diese Thüringer, von alters her gütig, fast wie die heilige Elisabeth, die als Vierjährige aus Ungarn auf die Wartburg kam, verheiratet wurde, aber in allem Prunke die Alten und Kranken nicht vergaß. Ihre Großzügigkeit mochte Landgraf Ludwig der IV. nicht so gern. Als sie wieder einmal mit einem Korb voller Brot ins arme Land hinabstieg, hielt sie ihr geiziger Gemahl auf, fragte böse, was sie wohl unterm Mantel trage. Sie schlug selbigen zurück, und siehe da, ein Korb voller Rosen.
Seither kennt das Abendland das Rosenwunder. Und Thüringen feiert in jedem Jahr Menschen, die in der Stille Gutes tun, mit der Thüringer Rose; das ist viel Ehre und eine Medaille aus Porzellan. Im Sommer 2007 wird es zum 800. Geburtstag der heiligen Frau eine große Landesausstellung geben, gemeinsam mit dem Nachbarland Hessen, das den Sterbeort Marburg, einst Ur-Thüringer Land, von Elisabeth einbringt.
Thüringen hofft auf viele Gäste, die möglichst lange bleiben und, man ahnt es, auch Geld ausgeben. Denn das Land hat es nötig, auch wenn man es ihm nicht ansieht mit seinen vielen prächtigen Schlössern und Burgen. Eine Augenweide, was sich da Fürsten und Herzöge leisteten, plus Kunstsammlungen, Raritätenkabinetten und natürlich den Theatern. Jetzt klagen die jeweiligen Kulturminister mit den Stadtvätern im Verein über die enormen Summen für den Erhalt der Schönheit. Glanz braucht Politur.