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DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

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Alles über die Schwaben

 

BW__Schwaben

Das wird uns Schwaben, von den genusssüchtigen Badenern ganz zu schweigen, nicht gerecht. Es mag ja stimmen, dass unsere Scheidungsrate analog zur Arbeitslosen- und Kriminalitätsquote, die niedrigste ist in Deutschland. Wahr ist auch, dass wir unser Herz nicht auf der Zunge tragen und öffentlich zur Schau getragenen Frohsinn eher degoutant finden. Der Schwabe lässt sich auch ungern durch direkte Fragen zu schnellen Antworten drängen. Lieber schiebt er ein bedächtig langsames „ha noi“ dazwischen, um Zeit zum Abwägen zu gewinnen, zum Nachdenken über Vor- und Nachteile des Gesagten. Gründeln gehört in der Heimat von Schiller, Hölderlin, Hesse und Uhland eben dazu.

Aber glaube keiner, wir wüssten nicht zu leben. Warum wohl sind die schwäbischen Kneipen in Berlin so gut besucht? Wegen des Trollingers im Henkelglas, des Rostbratens mit Spätzle und der Maultaschen natürlich. Schauen Sie mal in den Guide Michelin und Sie werden entdecken, dass von 196 Sternerestaurants 52 in Baden-Württemberg liegen. Harald Wohlfart, der Dreisternekoch in den Baiersbronner Tonbach-Stuben, hat Voranmeldefristen, die sich über Monate ziehen. Das ist doch auch eine Art von Wirtschaftswunder.

Warum wohl gehen die Schwaben so gern ins Theater? In das Stuttgarter Staatstheater, das größte Dreispartenhaus in Deutschland, das sich in schöner Regelmäßigkeit mit dem Titel „Opernhaus des Jahres“ schmücken darf. Ins Ballett, das allgemein als „Wunder“ bejubelt wird, ausgelöst durch den großen Choreographen John Cranko und weitergeführt von Marcia Haydeé und Reid Anderson. Und wo gibt es eine Bühne wie im Gasthof Linde in Melchingen, oben auf der Schwäbischen Alb, wo sie Stücke von Eduard Moerike, Peter Härtling und Franz-Xaver Kroetz spielen, und der Tübinger Rhetorikpapst Walter Jens immer in der ersten Reihe sitzt? Wir gehen dorthin, weil wir neugierig sind und auch heimlich anarchistisch. Die schönen Künste als Gegenprogramm zum Pietismus, dem der Müßiggang als aller Laster Anfang erschien, das „pfupfert“ uns Schwaben, wie wir sagen, wenn uns etwas reizt. Und wenn diese kleinen Fluchten auch noch standesgemäße Ziele haben, sind wir stolz und vergessen für einen Moment unsere Angst davor, von aller Welt, vor allem von München, für Provinzlinge gehalten zu werden.



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Datum: 28.12.2006