Direkt zum Inhalt .

Service-Navigation

Hauptnavigation

Bereichsnavigation

Weiterführende Informationen

DEUTSCHE G8-PRÄSIDENTSCHAFT

SERVICE

„Wir können alles – außer Hochdeutsch“

 

BW_Hochschwarzwald

Leisten Sie sich mal den Spaß und geben im Internet den Suchbegriff „Miss Baden-Württemberg“ ein. Was finden Sie an oberster Stelle? Die Schönste im „Ländle“ etwa? Weit gefehlt. Bei „Miss Baden-Württemberg“ handelt es sich um die Prämierung der Kuh Leoni aus der Zucht von Simpert Dangelmaier. Martin Walser, der berühmte Dichter vom Bodensee, spricht in diesem Zusammenhang gerne von einem „nach innen tendierenden Land“. Das hat seinen Charme, gewiss, ist aber im Zeichen der Globalisierung sehr gallierhaft. Und so hat die Landesregierung, deren Chef im Urlaub am liebsten in der Walser’schen Heimat radelt, beschlossen, dass Schluss sein müsse mit dem Licht unter dem Scheffel. Geboren ward die Kampagne „Wir können alles – außer Hochdeutsch“, was man neudeutsch einen Paradigmenwechsel nennen könnte im Selbstverständnis der einheimischen Bevölkerung.

Anfangs ist darüber viel gelacht worden, und die Spötter haben gefragt, ob die Regierung vielleicht die „Let’s putz“-Aktion des Stuttgarter Stadtoberhauptes gemeint hat. Für Nichtschwaben: Das ist die Reanimation der legendären Kehrwoche, die den Bürger zur Reinigung der Flure und Gehwege verpflichtet und die traditionell und landesweit am Samstagvormittag erledigt wurde. Das massenhafte Putzen unter oberbürgermeisterlicher Anleitung wurde aber offenbar notwendig, weil sich bei den Jüngeren die Unsitte breitgemacht hat, nur noch zu kehren, wenn Dreck herumliegt.

Doch den Kritikern ist die Häme bald im Hals stecken geblieben, als ihnen aufgelistet wurde, was wir wirklich können, und wovon wir – in aller Unbescheidenheit – reden müssen. Von der europaweiten Nummer eins in Sachen Hightech, der Rolle als Exportweltmeister und natürlich von DaimlerChrysler, Porsche, Bosch und Boss, die in der Welt zu Hause und in Baden-Württemberg daheim sind. Von den vielen Mittelständlern wie Fischer (Dübel), Stihl (Sägen) und Würth (Schrauben) bis zu Ritter Sport (Schokolade). In Baden-Württemberg sitzen überall eifrige Schaffer und Tüftler, die so viele Patente anmelden wie nirgendwo sonst in Deutschland. Dieser Erfindergeist habe mit der Rohstoffarmut und dem Protestantismus zu tun, sagen die Historiker und verweisen darauf, dass dieser Glaube es den Menschen verwehre, auf dumme Gedanken zu kommen. Daraus wird oft abgeleitet, die Schwaben könnten zwar „schaffe, schaffe Häusle bauen“, aber ansonsten hielten sie es mit ihrem spartanischen Dichter Eduard Mörike: „Mir macha kein Lebtag, mir halta kein Tanz.“

 



Barrierefreiheit     . Druckversion     . Seite empfehlen


Datum: 28.12.2006