Experten warnen: Wachsende Spielsucht-Problematik durch Legalisierung?

Nachdem 13 der 16 Bundesländer dem neuen Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) ihre Zustimmung erteilt haben, steht dem geplanten Inkrafttreten zum 1. Juli 2021 nicht mehr viel im Wege. Letztlich fehlt nur noch grünes Licht von Sachsen-Anhalt, wo der Sitz einer neuen, zentralen Aufsichtsbehörde für das bundesweite Online-Glücksspiel vorgesehen ist. Allerdings gibt es von dort bereits positive Signale, sodass die Einführung der neuen Regularien an Sachsen-Anhalt aller Voraussicht nach nicht mehr scheitern wird.

Die breite Zustimmung der Länder zum GlüStV 2021 und dessen Inhalten ist erfolgt, obwohl es in den vergangenen Monaten immer wieder kritische und warnende Stimmungen von Experten gegeben hat, die in der Legalisierung des Glücksspielmarktes unter den vorgesehenen Bedingungen nicht den richtigen Schritt sehen.

Ärzte und Therapeuten warnen

Erst in dieser Woche haben sich Ärzte und Therapeuten der Paracelsus-Kliniken in einem offiziellen Statement klar positioniert und der Politik dringend dazu geraten, die Regularien des GlüStV 2021 nochmals zu überdenken. Dr. Peter Subkowski, Ärztlicher Direktor der Paracelsus-Wittekindklinik und der Paracelsus-Berghofklinik in Bad Essen, kritisiert dabei offen, dass mit der Neuregelung bislang verbotene oder allenfalls teilweise geduldete Glücksspiele im Internet künftig legal betrieben werden können. Darin sehen Dr. Subkowksi und seine Kollegen eine enorme Gefahr für eine steigende Spielsuchtproblematik insbesondere bei jungen Erwachsenen.

“Solche Online-Angebote sind ein niedrigschwelliger Einstieg in das Glücksspiel und bringen nicht nur die Gefahr der Spielsucht für Tausende von Nutzern mit sich, sondern gefährden auch Patienten, die den Ausstieg gerade erst mühsam geschafft haben“, führt Dr. Subkowksi weiter aus und betont, dass die im GlüStV 2021 verankerten Schutzmaßnahmen nicht ausreichend seien.

Beispielsweise sehen die Ärzte und Therapeuten der Paracelsus-Kliniken das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Spieler und Monat als deutlich zu hoch. Bereits ein solcher Betrag würde nicht nur ein exzessives Spielverhalten ermöglichen, sondern vor allem auch bei Menschen mit kleinem Einkommen die Existenz gefährden, was auch auf die Familie durchschlagen könne.

Während Dr. Subkowksi die geplanten Einzahlungslimits, Werbeeinschränkungen oder Sperrvorrichtungen nicht weit genug gehen, um einen größtmöglichen Spielerschutz zu erreichen, übte der an der Universität Bremen tätige Suchtforscher Dr. Tobias Hayer auch aus anderem Grund Kritik am neuen GlüStV 2021. Dr. Hayer warnte im ARD-Magazin Plusminus vor einem “Dammbruch“ und kann vor allem nicht nachvollziehen, warum jahrelang im rechtlichen Graubereich agierende Glücksspielanbieter nun hofiert werden: “Hier werden illegale Anbieter, die aus dem illegalen Raum heraus Fakten geschaffen haben, über Jahre Spielanreize gesetzt haben, genau dafür jetzt belohnt. Mit einer Lizenz.“

Liberalisierung deutlich verfrüht?

Neben den Inhalten des GlüStV 2021 kritisieren Experten vor allem auch den Zeitpunkt, zu dem die neuen Regeln in Kraft treten sollen. Ulrich Commerçon, SPD-Fraktionsvorsitzender im Saarländischen Landtag, bezeichnet die Legalisierung von Online-Glücksspiel zum 1. Juli als “brandgefährlich“ und rechnet damit, wie der Markt innerhalb kurzer Zeit “Blüten treiben“ werde. Grund für diese Einschätzung von Commerçon ist, dass die in Sachsen-Anhalt geplante Aufsichtsbehörde zumindest nach jetzigem Stand am 1. Juli noch lange nicht in vollem Umfang die Arbeit aufgenommen haben wird.

Den gleichen Standpunkt vertritt mit Tobias Brockmann der Geschäftsführer Rehabilitation der Paracelsus-Kliniken und Vorstandsmitglied im Fachverband Sucht e.V., der stattdessen dafür plädiert, den aktuellen Staatsvertrag erst einmal zu verlängern, um mehr Zeit zu haben, sich auf das Inkrafttreten der neuen Regeln vorzubereiten.

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