Spielautomaten: Suchtexperten kritisieren Entwickler für neue Automaten

Seit gut zwei Wochen gilt in Deutschland in den Spielotheken eine neue gesetzliche Vorgabe. Sämtliche Automaten müssen auf die sogenannte technische Richtlinie 5.0 umgestellt worden sein, welche in erster Linie den Spieler vor einer Verbreitung der Spielsucht schützen soll. Neben den Spielern kritisieren mittlerweile jedoch auch Suchtexperten die „neuen Automaten“. Allerdings aus anderen Gründen. Während sich die Spieler über mangelnden Spielspaß beklagen, sehen die Suchtexperten keine wirkliche Verbesserung zu den alten Spielsystemen. Das eigentliche Ziel sei dadurch verfehlt.

TR 5.0 sollte klare Richtlinien schaffen

Lange wurde über die Einführung der technischen Richtlinie 5.0 verhandelt. Immerhin war dies ein herber Schlag für die Automatenbranche, die innerhalb weniger Monate sämtliche Automaten in allen Betrieben in Deutschland austauschen musste. Das allerdings nicht ohne Grund, denn mit der Richtlinie hat der Gesetzgeber zahlreiche Veränderungen ins Leben gerufen. Der maximale Gewinn an einem Gerät etwa wurde von 500 Euro auf 400 Euro reduziert. Im gleichen Atemzug wurde dafür aber auch eine Verlustbeschränkung von maximal 80 Euro pro Stunde ins Leben gerufen. Ebenfalls neu sind darüber hinaus verschiedene Pausenzeiten, in denen die Spieler offenbar das eigene Spielverhalten überdenken sollen. Zusätzlich auf der Streichliste: Die Autostart-Funktion, mit der die Walzen automatisch zum Drehen gebracht werden können und die Spieldauer. Letztere sollte wesentlich verlängert werden, von mindestens fünf Sekunden pro Spiel war die Rede.

Laut einer Analyse des Bremer Suchtexperten Gerhard Meyer allerdings wurden die gesetzlichen Vorgaben von der Automatenbranche nur ungenügend umgesetzt. Die Spielgeschwindigkeit sei zum Beispiel gleich geblieben betont der Forscher. Noch immer würde eine Spielrunde nach etwas mehr als einer Sekunde vorüber sein. Darüber hinaus erklärt der Experte, dass auch die Autoplay-Funktion nicht wirklich entfernt worden sei. Vielmehr hätten die Entwickler die dazugehörigen Knöpfe einfach anders beschriftet.

Unterschiedliches Verständnis eines Spiels?

Die Vorwürfe des Suchtexperten wiegen also durchaus schwer, denn im Prinzip sagen diese aus, dass sich die Branche einfach über die gesetzlichen Vorgaben hinweggesetzt hätte. Das sieht auch der Berliner Abgeordnete Daniel Buchholz so, der in einem Interview erklärte: „Wir erleben tatsächlich eine Nichtumsetzung dessen, was wir als Bundesgesetzgeber und über die Vorgaben auch definiert haben. Für mich grenzt das an kriminelle Energie, wie damit umgegangen wird.“ Ebenfalls kritisch sieht auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler die ganze Sache. „Wenn immer wieder Grenzen überschritten werden, und Lücken gesucht werden, um genau das zu umgehen, und darum geht’s, dann ist es keine glaubwürdige und ehrliche Politik von Seiten der Automatenwirtschaft“, so Mortler.

Die Glücksspielkonzerne allerdings sehen der Diskussion entlassen entgegen. So erklärte die Gauselmann-Gruppe, das nicht die Walzendrehungen das Spiel seien, sondern das Umbuchen des Geldes auf den Punktespeicher. Die Drehungen der Walzen würden lediglich eine zusätzliche Unterhaltung darstellen. Für den Suchtexperten Meyer ist das allerdings eine etwas fragwürdige Aussage. So erklärte dieser: „Es ist doch absurd, dass ein Umbuchungsprozess von Geld in Punkte oder Bankwerte als Spiel deklariert wird, während das eigentliche Spielgeschehen völlig ungeprüft auf einer ganz anderen Ebene abläuft.“

Auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt bekommt ihr Fett weg

Das „Problem“ aus Sicht der Politik: Die Spieleentwickler können ihre Geräte natürlich nicht einfach so auf den Markt bringen. Stattdessen werden diese im Vorfeld ganz genau geprüft, wofür die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zuständig ist. Und genau die hat für die neuen Automaten grünes Licht gegeben. Auf Anfrage des „SWR“ teilte die PTB mit, dass die Entwickler ihrer Ansicht nach nicht gegen das Gesetz verstoßen hätten: „Bei der Bauartzulassung handelt es sich um eine physikalisch-technische Prüfung. Vorgaben zur Ausprägung des weiteren Spielgeschehens, insbesondere zu Spielanreizen, sind generell nicht Gegenstand der Spiel-Verordnung.“ Für Buchholz klingt das alles eher nach faulem Zauber. „Ich habe so ein bisschen das Gefühl, sie (das PTB, Anmerkung der Redaktion) haben eine ähnliche Rolle wie das Kraftfahrtbundesamt, das bei den Dieselautos auch nicht genau hingeschaut hat und eher kungelt mit der Industrie und mit den Konzernen. Das Darf und soll eigentlich nicht so sein“, so der SPD-Mann. Drastische Worte, die von Suchtforscher Meyer jedoch noch einmal überboten werden können.

„Spielerinnen und Spieler, die an diesen Geldspielgeräten ein Suchtverhalten entwickelt und viel Geld verloren haben, sollten die PTB für diese Genehmigungspraxis zur Verantwortung ziehen und Schadensersatz fordern“, so der Suchtexperte. Eines dürfte damit klar sein: Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen.

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