Rechtsexperte: Sportwetten-Gewinne sind steuerfrei, Poker-Gewinne nicht immer

Schon vor Corona haben Glücksspiele im Internet stetig an Popularität gewonnen. Dieser Trend setzte sich durch mittlerweile mehrere und wochenlange Lockdowns weiter fort und erhielt sogar nochmals einen Schub. Mit der zunehmenden Beliebtheit von Sportwetten oder Online-Casinos sind natürlich auch Folgen verbunden, die etwa in Form einer wachsenden Spielsuchtproblematik bei weitem nicht immer positiv sind.

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen es Menschen gelungen ist, mit ihrer Leidenschaft ein regelmäßiges Einkommen zu generieren und so letztlich aus dem Hobby einen Beruf zu machen. So wird auch die Anzahl der Menschen, die sich auf professionelle Sportwetten spezialisiert haben oder die mit bestimmten Glücksspielen ihren Lebensunterhalt bestreiten, immer größer.

Im Zuge dessen tauchen sowohl bei den Glücksspiel-Profis selbst als auch von dritter Seite einige Fragen auf, für deren Beantwortung ein Experte wie Dr. Henrik Bremer, seines Zeichens Fachanwalt für Steuerrecht, nötig ist. Bremer stellte sich nun der “Bild“ für ein Interview zur Verfügung und gab umfassend Auskunft dazu, wie Einkünfte aus Glücksspielen in steuerlicher Hinsicht zu betrachten sind. Dabei lässt sich schon vorab konstatieren, dass es keine allgemeingültige Antwort gibt und es zwischen den einzelnen Glücksspielarten Unterschiede gibt.

Glücksspielgewinne grundsätzlich steuerfrei

Generell ist es so, dass Gewinne aus Glücksspielen steuerfrei sind und dementsprechend auch einkommenssteuerrechtlich nicht berücksichtigt werden müssen. Interessant ist, dass Einnahmen aus Sportwetten von Seiten der Finanzbehörden gar nicht als Einkommensart definiert sind, weshalb das Finanzamt auch keine Nachforschungen in dieser Hinsicht betreibt.

Im Umkehrschluss ist es aber auch nicht möglich, mit Glücksspielen erlittene Verluste von der Steuer abzusetzen, selbst wenn es sich um ein berufliches Spielen handelt. Aufpassen müssen indes Hartz-IV-Empfänger, die zwar auch keine Gewinnsteuer abführen müssen, denen aber gegebenenfalls eine Vermögensprüfung droht, sollten nennenswerte Nettogewinne erzielt worden sein.

Experte Bremer rät unterdessen in “Bild“ dennoch dazu, das Finanzamt über die professionelle Glücksspieltätigkeit und damit erzielte Gewinne zu informieren. Folgen hätte dies laut Bremer nicht, doch wäre man für den Fall der Fälle einer rechtlichen Änderung abgesichert: “Wenn Sie das angegeben haben, kann ihnen keiner mehr vorwerfen, dass Sie ihrem Gewerbe heimlich nachgehen.“

Urteil: Poker ist kein reines Glücksspiel

Sehr wohl steuerpflichtig sind indes Erträge aus dem Verkauf von Wett-Tipps. In diesem Falle müsste eine Beratungstätigkeit angemeldet werden, woraus sich auch eine Steuerpflicht ergibt.

Ebenfalls nicht generell steuerfrei sind Erträge aus Poker-Spielen. Das betrifft zwar in der Regel nicht den kleinen Hobby-Pokerspieler, der bei sich zu Hause den einen oder anderen Euro gewinnt, doch wer regelmäßig gewinnt und möglicherweise auch an großen Turnieren mit hohen Preisgeldern teilnimmt, muss mit Forderungen seitens der Steuerbehörden rechnen.

Als richtungsweisend gilt in diesem Zusammenhang ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2015. Darin heißt es unter anderen, dass das Turnierpokerspiel “nach einkommensteuerrechtlichen Maßstäben im Allgemeinen nicht als reines – und damit per se nicht steuerbares – Glücksspiel, sondern als Mischung aus Glücks- und Geschicklichkeitsspiel einzustufen“ sei. Im konkreten Fall hatte ein Mann über mehrere Jahre hinweg an Poker-Turnieren teilgenommen und dabei insgesamt rund 100.000 US-Dollar gewonnen. Das Finanzamt kam deshalb zu den Schluss, dass es sich um Einkünfte aus einem Gewerbe handelte, die zu versteuern waren.

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