Keine Förderung für E-Sport trotz Vereinbarung im Koalitionsvertrag

Schon vor der Corona-Pandemie, durch die viele andere Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung teilweise oder vielfach auch ganz weggebrochen sind, war E-Sport nicht nur, aber vor allem auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Die von der Regierung verhängten Maßnahmen im Kampf gegen die weitere Verbreitung des Virus sorgten in den vergangenen Monaten nochmals für einen verstärkten Zulauf für Computerspiele, die immer öfter auch in Form von Wettbewerben über das Internet für Unterhaltung sorgen.

Das große Potential von E-Sport in vielerlei Hinsicht ist freilich schon länger bekannt und wurde auch auf politischer Ebene schon erkannt. So vereinbarten Union und SPD im Zuge ihrer Koalitionsgespräche ann0 2018 eine verstärkte Förderung von E-Sport unter anderem in Form der vollständigen Anerkennung „als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht.“

Diesen Ankündigungen allerdings sind bislang keine Taten gefolgt – und werden offenbar in der laufenden Legislaturperiode auch nicht mehr folgen, wie nun aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten und Leipziger Stadträtin Monika Lazar (BÜNDNIS 90/Die Grünen) hervorgeht. Der „Focus“ berichtet in diesem Zusammenhang, dass von Seiten der Regierung kurzfristig keine weitere Förderung von E-Sport mehr geplant sei.

Entscheidung beim DOSB

Vielmehr obliege es dem Deutschen Olympische Sportbund (DOSB) darüber zu entscheiden, ob der E-Sport den klassischen Sportarten gleichgestellt bzw. als solche anerkannt werde, wie es beispielsweise in Südkorea, China und Brasilien längst der Fall ist. Diesbezüglich allerdings ist in Deutschland zeitnah nicht mit einem positiven Bescheid zu rechnen. Denn der DOSB hat sich bislang klar gegen eine vollumfängliche Anerkennung von E-Sport als Sport positioniert, scheint einzig dazu bereit, Sportsimulationen wie FIFA entsprechend zu bewerten. Anders Spiele wie Counter-Strike oder Dota 2, die einen wesentlichen Anteil am inzwischen riesigen E-Sport-Markt haben, hingegen sieht der DOSB nicht in dieser Kategorie. Unter anderem begründete der DOSB seinen Standpunkt im Jahr 2019 damit, dass „wettkampfmäßiges Video- und Computerspielen“ keiner „sportmotorischen Aktivität“ entspreche und eine Förderung von E-Sport deshalb auch „gesundheitspolitisch nicht zu vertreten“ sei.

Bezugnehmend auf den vom eSport-Bund Deutschland (ESBD) gewünschten Status der Gemeinnützigkeit von E-Sport-Vereinen verwies das Innenministerium darauf, dass schon jetzt eine entsprechende Einstufung über die Bereiche Jugendhilfe und Bildung möglich sei. ESBD-Vizepräsident Martin Müller allerdings ist diese Möglichkeit nicht genug. Stattdessen fordert Müller auch mit Blick auf eine stetig wachsende Anzahl an E-Sport-Vereinen in Deutschland eine „wasserdichte Anerkennung der Gemeinnützigkeit und keine Scheinlösungen.“

ESBD: Vorschläge des Bundesinnenministeriums sind „nachweislich unbrauchbar“

Im Zuge dessen verweist Müller auch darauf, dass der geschilderte Weg zur Gemeinnütizgkeit tatsächlich nicht wirklich offen steht: „Die Vorschläge des Bundesinnenministeriums, die Gemeinnütigkeit für E-Sportvereine über Jugendhilfe oder Bildung zu erreichen, sind in der behördlichen Praxis nachweislich unbrauchbar. Nahezu jedem E-Sportverein wird die Gemeinnützigkeit über diese Wege verwehrt.“

Die Bundesregierung sieht sich nun aus dem Bereich E-Sport mit heftiger Kritik konfrontiert, insbesondere auch daran, die 2018 gemachten Versprechen nicht eingelöst zu haben. Während der Branchenverband Game das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen nicht entsprechend gewürdigt sieht, warnt ESBD-Präsident Daniel Luther auch davor, dass Deutschland mit der vorhandenen Gesetzeslage den Anschluss an andere Länder verpassen könnte. Trotz der Beschwerden ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die Thematik von der aktuellen Bundesregierung in den kommenden Monaten doch noch auf die Agenda gesetzt wird.

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