Jahrbucht Sucht: Experten kritisieren Glücksspielbranche

Wie süchtig sind die Deutschen und vor allem wonach? Genau das untersucht Jahr für Jahr eine ganze Reihe von Experten, welche ihre Ergebnisse dann im sogenannten „Jahrbuch Sucht“ vorstellen. Das ist auch in diesem Jahr wieder geschehen und war so die Vorlage für eine hitzige Diskussion. Die Suchtexperten kritisieren die Glücksspielbranche und werfen dieser vor, die gesetzlichen Bestimmungen in einigen Fällen systematisch zu umgehen. Der Branchenverband der Deutschen Automatenwirtschaft reagierte erzürnt.

Suchtforscher fordern strengere Regulierung der Glücksspielbranche

Jedes Jahr stellt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Berlin in ihrem sogenannten „Jahrbuch Sucht“ vor, wonach die Deutschen süchtig sind und wie ausgeprägt diese Süchte ausfallen. Immer ganz vorne mit dabei sind vor allem die Abhängigkeit nach Tabak und Alkohol, die auch in diesem Jahr wieder die Spitzenplätze belegen. Allerdings sorgt die Glücksspielbranche momentan in den Expertenkreisen für die weitaus größeren Diskussionen. Vorgeworfen wird den Unternehmen, systematisch gegen die gesetzlichen Bestimmungen zu verstoßen. Unterm Strich sei so eine strengere Regulierung notwendig, da die Glücksspiele an den Automaten laut den Experten so entwickelt worden seien, dass sie gefährdete Spieler und süchtige Spieler stark abhängig machen können.

Ilona Füchtenschnieder, die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, erklärte im Rahmen der Veröffentlichung, dass die erhöhte Gefahr einer Suchterkrankung vor allem von den Onlinecasinospielen ausgehe. Diese seien vor allem rund um die Uhr erreichbar, schnell und unauffällig erreichbar und würden flexible Methoden für eine schnelle Einzahlung anbieten, so Füchtenschneider weiter. Gefordert wird zudem ein Komplettverbot der Glücksspielwerbung, welches nicht nur für die konkreten Betreiber, sondern auch für deren Mutterkonzerne gelten soll. Als Grund hierfür wird vor allem der horrende Einsatz aufgeführt, den die Spieler im Jahr 2017 aufgebracht haben. Insgesamt 1,76 Milliarden Euro Umsatz sollen die Online-Spiele demnach generiert haben.

Glücksspielbranche unterläuft angeblich die Gesetzgebung

Abgesehen von einem Komplettverbot für die Werbung der Glücksspielbranche, sind die Experten auch der Meinung, dass die Glücksspielaufsicht sowohl finanziell als auch technisch gestärkt werden müsse. Im Detail heißt es hierzu, dass die Glücksspielüberwachung in Deutschland den Anforderungen eines geöffneten Glücksspielmarktes noch nicht gewachsen sei. Die klare Empfehlung der Experten lautet daher: Der Markt sollte nicht geöffnet werden. Besonders hart kritisiert wurden allerdings vor allem die stationären Anbieter des Glücksspiels. So erklärte der Bremer Suchtexperte Gerhard Meyer, dass die Automatenindustrie die gesetzlichen Regelungen unterlaufen würde. Das Glücksspiel hätte sich mittlerweile zu einem Spiel mit enormem Sucht- und Risikopotenzial entwickelt, da hier vermeintlich enorme Vermögenswerte gewonnen werden können, so der Forscher.

Hinsichtlich der Unterwanderung der gesetzlichen Vorgaben zielt Meyer vor allem auf die technische Richtlinie 5.0 ab, die Ende letzten Jahres eingeführt wurde. Der Forscher berichtet, dass die Erkenntnisse in der Praxis zeigen würden, dass die Gesetzgebung „nach wie vor in eklatanter Weise ausgehebelt wird“. Harte Kritik also für die Glücksspielbranche, die diese Worte allerdings nicht einfach auf sich sitzen ließ.

Glücksspielverband legt starkes Veto ein

Georg Stecker, der Vorstandssprecher des Dachverbandes Deutsche Automatenwirtschaft e.V. erklärte, dass sich die Glücksspielunternehmen im stationären Betrieb an strenge Regeln halten würden und jeder einzelne Automat geprüft sei. „Alle Geräte, die in legalen Spielhallen und in der ordentlichen Gastronomie aufgestellt sind, wurden von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) geprüft und zugelassen. Die PTB darf die Bauart eines Gerätes nur zulassen, wenn die Anforderungen der Spielverordnung erfüllt sind. Das belegt: Die Unternehmen der Automatenwirtschaft halten sich an die strengen gesetzlichen Vorgaben.“ Damit aber nicht genug. Stecker betont, dass man damit aufhören müsse, die Unternehmer der stationären Branche immer weiter zu knebeln und stattdessen dafür sorgen sollte, dass ein regulierter und fairer Markt genutzt werden kann. Stecker dazu: „Die einschneidenden Maßnahmen der Spielverordnung haben die Attraktivität des legalen gewerblichen Geldspiels erheblich gemindert. Wir erleben derzeit eine Abwanderung der Spielgäste in unlimitierte oder sogar zumeist illegale Angebote, zum Beispiel im Internet oder in Hinterzimmern, und sind alarmiert. Die deutliche Abwanderung zeigt, dass wir seit der Umstellung der Automaten unseren wichtigen gesetzlichen Auftrag aus dem Glücksspielstaatsvertrag, den natürlichen Spieltrieb der Menschen in geordnete Bahnen zu lenken, nicht mehr bedarfsgerecht erfüllen können. Den explodierenden Schwarzmarkt kann man am wirksamsten mit einem attraktiven legalen Angebot bekämpfen. Es muss Schluss sein mit der weiteren Knebelung der legalen Automatenunternehmen.“

Fest steht damit wohl, dass in dieser Debatte längst noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Insbesondere die Feststellung der Experten, dass der Glücksspielmarkt nicht geöffnet werden sollte, überrascht. Und dürfte als Grundlage für die eine oder andere angeregte Diskussion in den kommenden Monaten sorgen.

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