Glücksspielsperre: Belgien diskutiert über Sperren durch Dritte

In Deutschland können sich Spieler bekanntermaßen selber Sperren lassen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie ihr eigenes Spielverhalten nicht mehr kontrollieren können. In Belgien geht man sogar noch einen Schritt weiter. Hier können nämlich auch die Angehörigen oder Freunde eine Spielsperre ins Leben rufen. Sperren lassen durch einen Dritten: Das ist aktuell nur in Belgien möglich und sorgt hier derzeit für hitzige Diskussionen.

Schon seit über zehn Jahren mit dem Drittausschluss-Prinzip

Die Möglichkeit, eine dritte Person für ihre Spielaktivitäten sperren zu lassen, existiert so derzeit nur in Belgien. Sollte hier zum Beispiel der Ehepartner das Gefühl haben, dass die Partnerin zu viel spielt, könnte er sie sperren lassen. Das Ganze ist bereits seit 2008 in Belgien möglich und gleichzeitig natürlich ein wichtiger Teil der Regulierungspolitik für das Glücksspiel im Land. Tatsächlich scheinen die Drittsperren auch immer besser wahrgenommen zu werden. Während in den Anfangsjahren eher weniger Personen für die Glücksspiele gesperrt wurde, sind die Zahlen in den letzten Jahren deutlich angestiegen – wenn auch in einem eher niedrigen Bereich.

Das bedeutet im Detail, dass die belgische Glücksspielkommission im Jahre 2017 genau 98 Personen auf Grund von Anfragen Dritter gesperrt hat. Wie zu erwarten, stammt der Antrag dabei in den meisten Fällen von Ehepartnern, welche den Ausschluss ihres Partners vom Spiel verlangen. Genau 37 Mal wurde ein solcher Antrag im Jahr 2017 eingereicht, 31 Mal reichten die Eltern der betroffenen Personen einen Antrag für eine Sperre ein. Darüber hinaus sind aber zum Beispiel auch Anträge von Geschwistern, Richtern. Sozialarbeitern oder ähnlichem keinesfalls eine Seltenheit.

Über 370.000 Personen gesperrt

Obwohl Personen in Belgien erst seit 2008 Dritte auf eine Sperrliste hinzufügen können, gibt es eine derartige Liste bereits seit 2004. Damals nämlich führte die belgische Glücksspielbehörde erstmals die Sperrliste ein, die jedoch erst vier Jahre später auch von Dritten ergänzt werden konnte. Die Behörde selber ist bereits seit 1999 aktiv, nachdem immer mehr Glücksspielunternehmen ihren Platz auf dem belgischen Markt fanden. Geregelt wird durch die Kommission natürlich der Spielerschutz, gleichzeitig aber auch die Regulierung der Glücksspielunternehmen. Insgesamt umfasst das Werk mehr als 75 Kapitel.

Auf der Sperrliste wiederum sind seit 2004 rund 370.000 Personen eingetragen worden. Deren Namen sind in einer elektronischen Sperrdatei gespeichert, welche von den Spielbanken des Landes abgerufen werden kann. Sollte es sich um eine gesperrte Person handeln, wird dies beim Betreten der Spielbank in einem Computer angezeigt. Abgerufen werden dabei der Vorname, der Name und das Geburtsdatum, der Grund für den Ausschluss aus dem Spielbetrieb wird nicht genannt. In den letzten Jahren ist dabei ein starker Anstieg auf der Sperrliste zu erkennen. Sowohl was die gesperrten Spieler insgesamt betrifft als auch die Spieler, die von Dritten gesperrt wurden. So sei allein die Anzahl der durch Dritte gesperrte Spieler um 58 Prozent gestiegen und erreichte 2017 einen Wert von 496 Personen. Sicherlich gut zu wissen ist dabei, dass nicht nur Personen gemeldet werden können, die in den Spielhallen aktiv sind. Auch die Online-Spieler können durch Dritte vom Spiel ausgeschossen werden.

Anträge werden vor einer Sperre geprüft

Wer sich selbst auf die Sperrliste in Belgien eintragen möchte, kann dies innerhalb von 24 Stunden erledigen. Sollte eine Person allerdings eine andere Person auf die Liste schreiben wollen, nimmt dieser Prozess für gewöhnlich mehrere Wochen Zeit in Anspruch. Der Grund hierfür ist, dass die Anträge intensiv geprüft werden und die Antragssteller gleichzeitig zur Vorlage detaillierter und klarer Beweise gebeten werden. Dazu heißt es von der Glücksspielkommission: „Die Anträge und Beweise werden analysiert. Wir überprüfen dabei in gleichem Maße, wie oft die jeweilige Person ein landbasiertes Casino betreten hat und wie oft Online gespielt wurde. Der Spieler selbst bekommt immer die Möglichkeit, sich ebenfalls zu äußern. In der Realität allerdings kommen nur wenige Menschen zu uns, um sich zu verteidigen.“

Kritiker des Systems bemängeln, dass durch die Einzelfallentscheidungen keine echte Transparenz vorhanden sei. So sei zum Beispiel nicht klar, welche Mindesteinsätze, Schulden oder ähnliches zu einem „erfolgreichen“ Sperr-Antrag führen würden. Gesperrt sind die Spieler auf der Liste für mindestens ein Jahr. Anschließend müssen die Spieler einen Antrag einreichen und so ihre Sperre aufheben. Möglich sind auch vorzeitige Abbrüche der Sperren, allerdings entscheidet die Behörde auch hier wieder von Fall zu Fall.

Bisher einzigartiges System

Sperrlisten für die Glücksspielbranche gibt es bekanntlich in fast jedem Land, wo das Glücksspiel intensiv reguliert wird. In Deutschland etwa können sich Personen ebenfalls sperren und so keine Spielbank mehr im Land betreten. Allerdings ist der Ansatz der Belgier insofern vollkommen neu, dass hier eben auch Außenstehende eine Person vom Spiel abhalten können. Ein Novum, welches jedoch möglicherweise schon bald auch in anderen Ländern genutzt werden könnte. Gerade in England wird über ein solches System diskutiert, da hier die Zahlen der Spieler mit einem Selbstausschluss in den letzten Jahren enorm gestiegen sind. Fixe Pläne gibt es laut der Gambling Commission hierfür aber noch nicht.

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Bildquelle: djedj @ Pixabay