Glücksspiel-Kanalisierung in Schweden sinkt – Der Schwarzmarkt profitiert

Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der zwar erst im Juli in Kraft treten soll, aber dessen Inhalte zum Teil schon jetzt von Online-Casinos und -Buchmachern umgesetzt werden, wird in Deutschland seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert. Die Neuregelungen verfolgen verschiedene Ziele, vor allem aber einen erhöhten Spielerschutz unter anderem auch in Form einer Eindämmung von nicht-lizenzierten Anbietern.

Ob sich die Zielsetzung, einen Schwarzmarkt künftig zu unterbinden, mit den gewählten Instrumenten erreichen lässt, wird indes von nicht wenigen Experten angezweifelt. Und das mutmaßlich auch nicht grundlos, wie aktuell ein Blick nach Schweden zeigt. Denn dort spielte eine im vergangenen Sommer als Reaktion auf die Corona-Krise und eine im Zuge dessen ausgemachte, erhöhte Spielsuchtgefahr getroffene Verschärfung des schwedischen Glücksspielgesetzes dem Schwarzmarkt offenkundig eher in die Karten.

Kanalisierungsquote geht kontinuierlich zurück

Nachdem der schwedische Branchenverband BOS bereits vor Inkrafttreten der bislang nur temporär beschlossenen Verschärfungen zum 2. Juli 2020 vor einem erhöhten Zulauf für den Schwarzmarkt gewarnt hatte, sieht sich der Parlamentarier John Weinerhall nun bestätigt und kritisierte in einem offenen Brief an Sozialversicherungsminister Ardalan Shekarabi, dass das Ziel der Kanalisierung des schwedischen Glücksspielmarktes durch die Restriktionen gefährdet werde. Weinerhall betont in seinem Schreiben, dass die verschärften Regeln keine Auswirkungen auf nicht lizenzierte Anbieter hätten, dort aber weiterhin auch schwedische Kunden aktiv seien. Als Folge dessen erwartet Weinerhall einen weiteren Rückgang der Kanalisierungsquote, die im Frühjahr 2020 auf knapp 75 Prozent geschätzt wurde, die aber schon nach dem Inkrafttreten des noch nicht verschärften Glücksspielgesetzes im Januar 2019 gesunken sei.

Konkrete Zahlen konnte oder wollte Weinerhall in diesem Zusammenhang zwar nicht nennen, bemängelte aber das Fehlen von entsprechenden Untersuchungen seitens der Regierung. Deren kürzliche Erklärung, dass die seit Sommer 2020 gültigen Einschränkungen keine negativen Auswirkungen auf die lizenzierten Anbieter habe, sei laut Weinerhall schon alleine deshalb nicht zielführend, da das Geschehen auf dem Schwarzmarkt und der dortige Zulauf nicht berücksichtigt werde.

Nach jetzigem Stand sollen die Übergangs-Verschärfungen in Schweden noch bis Ende Juni gelten. Bis dahin können Kunden bei den offiziell lizenzierten Glücksspielanbietern pro Woche weiterhin maximal 5.000 Schwedische Kronen (SEK, umgerechnet knapp 500 Euro) einzahlen. Zudem sind die Bonusangebote für Neukunden weiterhin auf höchstens 100 SEK (10 Euro) begrenzt, also weitaus weniger attraktiv als üblich und wie weiterhin bei nicht lizenzierten Anbietern erhältlich.

Deutschland mit noch strikteren Regeln

In Deutschland dürfte bzw. sollte man die Entwicklung in Schweden aufmerksam verfolgen. Schließlich umfasst der neue Glücksspielstaatsvertrag sogar noch weitaus striktere Regeln als im skandinavischen Land. So soll in Deutschland die maximale Einzahlung pro Kunde und Monat sogar auf 1.000 Euro gedeckelt werden, also auf die Hälfte des aktuell in Schweden gültigen Niveaus.

Zugleich sollen in Deutschland verschiedene Angebote komplett wegfallen. Bei den Buchmachern betreffen die Einschränkungen unter anderem den sehr beliebten Bereich der Live-Wetten, der ausgedünnt werden sollen, während im Casino-Bereich unter anderem Tischspiele und progressive Jackpots entfallen sollen. In Schweden gibt es in dieser Hinsicht bisher keine Beschränkungen, sodass in Deutschland nüchtern betrachtet noch mehr Gründe vorhanden sind, anstatt bei einem lizenzierten Anbieter Einschränkungen hinzunehmen, auf den Schwarzmarkt abzuwandern.

Bleibt abzuwarten, ob das Beispiel Schweden vielleicht doch noch dazu führt, dass unter anderem vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) längst geäußerte Bedenken vielleicht doch noch zu intensiveren Diskussionen und eventuellen Anpassungen führen.

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