Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr de Vries,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren!
„Geburtsstunde einer großen Idee“ – unter dieser Überschrift steht die heutige Veranstaltung
- der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“
- und der Standortmarketingagentur „Invest in Germany“.
Ich begrüße Sie hierzu im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ganz herzlich. Mein ganz besonderer Gruß gilt den Zeitzeugen, die hier versammelt sind:
- Prof. Dr. Otto von Habsburg,
- Dr. Ernst Albrecht,
- Prof. Dr. Charles-Ferdinand Nothomb,
- Dr. Jean François-Poncet,
- Dr. Jacques Santer,
- Frau Prof. Renée Haferkamp,
- Prof. Bino Olivi,
- Botschafter Carlo Trojan,
- und Herr Hubert Ehring.
Einige von Ihnen waren 1957 in verantwortlicher Position an der Entstehung der Verträge beteiligt. Eingebettet in die Feierlichkeiten zum 50sten Jahrestag der Römischen Verträge geben Sie heute Ihre Erfahrungen als Zeitzeugen weiter. Damals unterzeichneten die ursprünglich sechs Mitgliedstaaten die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft. Heute – zu Beginn des 21. Jahrhunderts – stehen die Römischen Verträge für die Vision eines vereinten Europas und für den Aufbruch in eine neue Zeit.
Deutschland und Europa sehen sich neuen Realitäten gegenüber. Zu den zentralen Herausforderungen zählen die Gestaltung der Globalisierung, die Sicherung der Energieversorgung und die Beherrschung des Klimawandels. Weltweit schälen sich neue Wachstumsregionen heraus. Damit sind nicht nur Veränderungen der wirtschaftlichen Gewichte, sondern auch des politischen Einflusses verbunden. Führende Wirtschaftsvertreter werden im zweiten Teil dieser Veranstaltung die Herausforderungen für die Europäische Union im globalen Kontext diskutieren.
Gustav Stresemann, Außenminister der Weimarer Republik und Friedensnobelpreisträger hat bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gesagt: „Europa ist nicht ein Gebilde, das für sich leben könnte. Europa ist nur möglich innerhalb der Welt und innerhalb der Weltwirtschaft.“
Angesichts der heutigen globalen Herausforderungen besitzen diese Worte immer noch ungebrochene Aktualität. Für sich allein ist kein Mitgliedsstaat in der Lage, seine Interessen im globalen Kontext erfolgreich zu vertreten. Die Europäische Union sehr wohl.
Europa ist als kraftvoller Zusammenschluss ein „global player“. Nicht zuletzt diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass inzwischen 27 Nationen Teil dieser Union sind. Wir feiern an diesem Wochenende gemeinsam mit vielen Menschen aus ganz Europa die Geburtsstunde der Römischen Verträge. Und dies zu Recht.
Wir feiern 50 Jahre Frieden, Wohlstand und Freiheit auf einem bislang nicht gekannten Niveau in Europa. Wir feiern den historischen Erfolg der Überwindung der Teilung Europas. Europa ist aber mehr als eine reine Wirtschaftsgemeinschaft. Europa ist auf gemeinsame Werte gegründet, die uns verbinden: Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte.
Am Sonntag treffen sich in Berlin die Staats- und Regierungschefs unter der Leitung unserer Bundeskanzlerin. Sie wollen in einer gemeinsamen Erklärung dieses Wertefundament und die darauf aufbauenden Verpflichtungen für die Zukunft bekräftigen. Europa gelingt gemeinsam - so lautet das Motto unserer Präsidentschaft.
Wenn wir Europäer unsere Kräfte bündeln und gemeinsam handeln, können wir die Zukunft erfolgreich gestalten. Und damit der Vision der Gründungsväter von der „Geburtsstunde einer großen Idee“ gerecht werden.