Zu dem informellen Treffen der europäischen Beschäftigungs- und Sozialminister im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erklärt Franz Müntefering, Bundesminister für Arbeit und Soziales:
1. Europa muss für die Menschen da sein:
Europa muss die Herzen und die Köpfe der Menschen erreichen. Es muss spürbar sein, dass sich Europa lohnt und dass es Verbesserungen für die Menschen im Alltag bringt. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten von Europa ganz besonders in Sachen Beschäftigung und Soziales zielführende Antworten. Zu Recht: Die soziale Dimension ist Grundwert und Ziel europäischer Politik. So ist es in den Verträgen vereinbart. Wir müssen diese Vereinbarungen mit Leben füllen. Das setzt eine klare Identifikation mit Sozialstaat, sozialer Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft voraus.
2. Es geht um das soziale Europa – für eine soziale Welt:
Wir wollen „Kräfte bündeln für ein soziales Europa – für eine soziale Welt“ – das haben wir zur Richtschnur gemacht für unsere Zeit der Präsidentschaft! Globalisierung, demographischer Wandel, Mobilität, Informations- und Kommunikationstechnologien und weitere technologische Entwicklungen verändern die Rahmenbedingungen – für die Menschen und auch für die Politik. Es gibt Verunsicherung. Politik muss in dieser Situation das menschenmögliche Maß an Sicherheit im Wandel gewährleisten. Oft ist sogar Sicherheit nur durch Wandel erreichbar.
3. Gute Arbeit in Deutschland und Europa heißt: Sichere Arbeitsplätze, faire Löhne, Gesundheitsschutz, Arbeitnehmerrechte sichern
Das Thema „Gute Arbeit“ ist ein Beispiel dafür, wie wir in Europa gemeinsam unsere sozialen Traditionen bewahren, aber wo nötig auch fortentwickeln können. Deshalb haben wir es auf die Tagesordnung dieses Treffens gesetzt.
4. Nationale Verantwortung in Europa bleibt:
Es gibt mit Blick auf diese Fragen unterschiedliche Kulturen und Strukturen in den einzelnen Mitgliedsstaaten, unterschiedliche Traditionen und unterschiedliche historische Phasen. Die Verantwortung für diese Herausforderung bleibt bei den nationalen Parlamenten und Regierungen. Es geht nicht um Nivellierung, nicht um Vereinheitlichung. Aber: Kein Land der EU lebt isoliert für sich. Die Politik der EU hat Einfluss auf das, was wir im nationalen Rahmen in Sachen Beschäftigung und Soziales tun. Unsere Aufgabe ist es, in Europa und gleichzeitig in unseren Ländern, die Politikbereiche Wirtschaft, Arbeit und Soziales sinnvoll aufeinander abzustimmen, damit Gutes für die Menschen dabei herauskommt, für die wir handeln.
5. Altersvorsorge absichern:
Die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme muss gewährleistet sein. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, der muss eine angemessene Versorgung im Alter haben. Auch das gehört zu guter Arbeit dazu. Das Vertrauen in die Sicherheit leistungsfähiger Sozialsysteme, um die nötigen Wandlungsprozesse aktiv und erfolgreich mit zu gestalten, ist wichtig. Es gibt auch Mut, das Neue zu riskieren.
6. Im sozialen Bereich für Europa klare Ziele definieren:
Wir sind auf dem Weg zu einer sozialen Gestaltung Europas. Die Richtung stimmt. Wir müssen die Ziele klar beschreiben, zu denen wir unterwegs sind. Gute Arbeit ist so ein Ziel. Ich bin sehr dafür, dass wir in Europa auch im sozialen Bereich klare Ziele definieren. Ich will ausdrücklich dafür werben. Es ist sinnvoll, sich in der EU Leitlinien, Wegmarken und Maßstäbe zu setzen und den einzelnen Mitgliedsstaaten die Bestimmung der Wege zu überlassen, auf denen sie erreicht werden können und sollen.
Wir wollen dazu beitragen, die soziale Dimension Europas noch überzeugender zu gestalten. Wenn das gelingt, wird die europäische Idee bei den Bürgerinnen und Bürgern Begeisterung und Leidenschaft wecken. Das wollen wir.