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12.02.2007

Wasserhaushalt und Wassernutzungen: Anpassung an den Klimawandel wird unverzichtbar

Europäisches Symposium: „Time to adapt! Climate Change and the European Water Dimension“

Gabriel - REGIERUNGonline-Fassbender

„Wir müssen uns daran gewöhnen, heute bei langfristigen Entscheidungen etwa im Bereich der Infrastruktur oder der Regionalentwicklung die Auswirkungen des Klimawandels insbesondere auf den Wasserhaushalt zu berücksichtigen. Das gilt für die Schifffahrtswege ge­nauso wie für die Wasserver- und Abwasserentsorgung, den Küsten- und Hoch­wasserschutz oder die Entwicklung von Tourismuszentren und die Elektrizitätserzeugung.“ Dies betonte Bundesumweltminister und Vorsitzender des EU-Umweltministerrats Sigmar Gabriel bei der Eröffnung des im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft stattfindenden Symposiums, zu dem er gemeinsam mit EU-Umweltkommissar Stavros Dimas eingeladen hat.

Von heute bis Mittwoch diskutieren in Berlin 250 Teilnehmer aus 24 EU-Mitgliedsstaaten, der Schweiz und aus Norwegen sowie von europäischen und internationalen Organisationen die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt und auf die Wasserwirtschaft sowie besonders wasserab­hängige Sektoren wie die Landwirtschaft, die Elektrizitätswirtschaft, die Binnen­schifffahrt und auf den Tourismus. Ziel ist die Formulierung von entsprechenden Empfehlungen, insbesondere auch im Hinblick auf die relevanten EU-Politiken. 

Der aktuelle Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) macht es deutlich: der Klimawandel ist Realität und er verläuft schneller und ausgeprägter als bisher erwartet. Dies bedeutet auch, dass die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs früher spürbar wer­den. Besonders bedeutsam sind die Konsequenzen für den Wasserhaushalt. Der Klimawandel ver­ändert die zeitliche und räumliche Verteilung von Niederschlägen, führt zum Abschmelzen von Gletschern und zum Anstieg der Meeresspiegel. Die Folgen äußern sich in einer wahr­scheinlichen Zunahme von extremen Hochwasserereignissen oder längeren Dürreperioden, aber auch in allmählichen Veränderungen des Wasserhaushalts, die sich zum Beispiel in ei­ner regionalen Verknappung der Wasserressourcen zeigen. Dies hat Auswirkungen für eine Vielzahl von Wassernutzungen und kann zur Ver­schärfung  von Nutzungskonkurrenzen führen, mit ökonomischen Konsequenzen für was­serabhängige Wirtschaftsbereiche. Zudem haben die Veränderungen im Wasserhaushalt wesentliche Auswirkungen auf die Lebensräume von Tie­ren und Pflanzen, was zu regionalen Verschiebungen in der Artenzusammensetzung führen wird. Auch negative Auswirkungen auf die Gewässerqualität sind nicht auszuschließen.

„Selbst wenn es uns gelingt, den Anstieg der Treibhausgasemissionen soweit zu reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg auf im Mittel 2 Grad Celsius be­grenzt werden kann, werden wir mit erheblichen Auswirkungen konfrontiert sein“, betonte Bundesumweltminister Gabriel.

Parallel zu den Bemühungen, den Ausstoß von Klimagasen national, in Europa und weltweit zu vermindern, müsse daher möglichst frühzeitig Vorsorge gegen die Risiken getroffen werden, die mit den Auswirkungen des Klimawandels verbunden sind, so der Bundesum­weltminister weiter. Bezogen auf die Wasserwirtschaft bedeute dies zum einen die weitere Verbesserung des Managements von Extremereignissen (Hochwässer und Dürren),  dar­über hinaus sei aber eine integrierte  Bewirtschaftung der Wasserressourcen notwendig. Der Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, Mogens Peter Carl, betonte die Parallele zum kürzlich vorgeschlagenen EU-Energie- und Klimapaket: „Wir müssen zuerst die verfügbaren Wasserressourcen effizienter nutzen und unseren Verbrauch senken, bevor wir immer neue Quellen anzapfen.“

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt sind regional sehr unterschiedlich. „Wir haben bereits viele Instrumente auf europäischer Ebene, die von den Mitgliedsstaaten genutzt werden können. Wir müssen jedoch darauf achten, dass die vorhandene Gesetzgebung optimal zur Verminderung der Klimaauswirkungen genutzt werden. Zum Beispiel könnten Landwirte noch mehr zu einem sparsamen Verbrauch ermuntert werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik kann einen noch größeren Beitrag dazu leisten“, erläuterte Generaldirektor Carl. „Darüber hinaus denkt die Europäische Kommission über eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen nach, wie zum Beispiel eine Europa-weite Initiative zum Wassersparen auch in allen anderen Bereichen, wie Haushalte und Industrie.“

Die europäischen Förderprogramme ließen den Mitgliedsstaaten grundsätzlich bereits heute erhebliche Möglichkeiten zur Förderung von Anpassungsmaßnahmen. Die von der EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene Flussgebiets bezogene und alle sechs Jahre zu überprüfende Bewirtschaftungsplanung biete außerdem eine gute Ausgangsbasis für die Berücksichtigung von Auswirkungen des Klimawandels in der wasserwirtschaftlichen Planung. Die künftige Richtlinie über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken, die sich derzeit in Verhandlungen zwischen Rat und Europäischem Parlament befindet, werde auch die Berücksichtigung von Auswirkungen des Klimawandels bei der Bewertung von Hochwasserrisiken und der Entscheidung über Schutzziele und Vorsorgemaßnahmen vorsehen.

Carl kündigte noch für dieses Jahr ein Grünbuch der Kommission zur Anpassung an den Klimawandel sowie eine Mitteilung an Rat und Europäisches Parlament zum Problem der Wasserknappheit und zunehmender Dürreperioden an. Es wird erwartet, dass die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr diese Themen aufgreift und weiterführt.



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Datum: 15.02.2007