
Das „Land zwischen den Meeren“ wird von Nordsee und Ostsee geprägt. Dabei könnten beide unterschiedlicher kaum sein. Die Ostsee reicht von Travemünde, dem Hafen Lübecks, der an Mecklenburg-Vorpommern reicht, bis hin nach Flensburg, an die dänische Grenze. Thomas Mann hat sie geliebt und sein Alter Ego Tonio Kröger gibt in der gleichnamigen Novelle eine gültige Beschreibung: „Die See ruhte träge und glatt, in blauen, flaschengrünen und rötlichen Streifen, von silbrig glitzernden Lichtreflexen überspielt, der Tang döste zu Heu in der Sonne, und die Quallen lagen da und verdunsteten.“ Nun hat diese sommerliche Beschreibung der Ostsee nicht immer Gültigkeit, sie kann im Winter auch grau und stürmisch sein, aber sie ist ein Binnenmeer, das auch Ebbe und Flut nicht kennt.
Ganz anders stellt sich die Nordsee dar. Wer einmal auf Sylt einen Spaziergang direkt am Saum des Meeres gemacht und die Wellen an das Ufer hat branden gesehen, wer die gleichförmige, aber unaufhaltsame Melodie des Windes über Stunden wahrgenommen hat, der wird an Theodor Storms berühmte Novelle „Der Schimmelreiter“ erinnert. Dort heißt es über die Wellen der Nordsee bei Sturmflut: „Mit weißen Kronen kamen sie daher, heulend, als sei in ihnen der Schrei alles furchtbaren Raubgetiers der Wildnis.“
Ist es das Archaische dieser Landschaft, das die Schönen und Reichen immer wieder anzieht? Auf jeden Fall kommen sie gern am Wochenende mit dem Privatflugzeug, genießen die Sonne am Strand, die Wellnessangebote in den Hotels oder Seafood in einem der noblen Restaurants. Wer in Westerland oder Kampen shoppen geht, wähnt sich in Paris oder London – nicht aber auf Deutschlands nördlichster Insel.
In Nordfriesland, dem nördlichen Landesteil Schleswig-Holsteins, geht es dagegen noch beschaulicher zu. Hier leben nicht viele Menschen und sie arbeiten oft noch auf dem Lande, als Bauern und Schafzüchter. Man spricht platt und achtet auf die Traditionen. Es sind die kleinen Landstädte, wie Bredstedt, Heide und Meldorf, die diesen Landesteil an der Nordsee prägen. Zwar gehen hier die Uhren ein wenig langsamer als im Rest des Landes, aber es gibt auch zukunftsweisende Entwicklungen, sichtbar an den zahlreichen Windrädern. Schleswig-Holstein deckt heute bereits mehr als ein Viertel seines Strombedarfs durch Windenergie.