
Unser Ansehen ist nicht überwältigend, auch wenn landeseigener Frohsinn, von den Mainzern verkörpert, populär ist. Zu Jahresbeginn in der „fünften Jahreszeit“, der Fastnachtszeit, verwandelt er das Land in eine Hochburg der Narretei. Helau! Zu Rosenmontag und Fastnachtsdienstag, wenn alle Büros, Geschäfte und Schulen geschlossen bleiben, wünscht man sich „schöne Feiertage“.
In der Regel bleibt man sogar bei den Büttenreden mit seinem Spott über der Gürtellinie, ist tolerant und durchaus politisch – der Dichter Carl Zuckmayer hat dies in seiner „Fastnachtsbeichte“ eindrücklich beschrieben. Aber auch dem Pfälzer, dem Eifeler, dem Westerwälder fehlt dieses Quäntchen weinhessischer, Pardon: rheinhessischer Lebensfreude nicht, und den Mädels schon gar nicht. Oder hat es jemand anders erlebt? Ich hoffe nicht! Was ruppig klingt, ist so meist nicht gemeint.
Denn die Charaktere der Rheinland-Pfälzer sind wohl vor allem von den schlechten Erfahrungen vieler Generationen geprägt: Wenn Fremde in diese Gegend kamen, hatte man nichts mehr zu lachen. Schon die ersten historischen Nachrichten sind die von Kriegs-ereignissen: Cäsar kam, sah, siegte. Die ältesten Städte sind einstige römische Kasernen: Confluentes (Koblenz), Bingium (Bingen), Antunacum (Andernach), Mogontiacum (Mainz) und so weiter. Die Geschichte, die von diesen Generationen erzählt, ist vor allem Kriegsgeschichte.