
Dass im Ruhrgebiet die „kleinen Leute“, am Niederrhein die Melancholie, wenige Kilometer nach Süden in Düsseldorf die „Schönen und Reichen“ zu Hause sind, mag nicht ganz falsch sein, ist aber heutzutage eher eine Hilfskonstruktion, weil sich die Bewohner von NRW wie die Menschen überall auf der Erde einer klaren und eindeutigen Definition entziehen.
Düsseldorf, die Landeshauptstadt mit ihrer Schauseite, der Rheinpromenade und der Silhouette aus Banken und Handelshäusern. Mit seiner Königsallee, kurz „Kö“, elegante Flanier- und Einkaufsmeile. Börsen-, Kongress- und Ausstellungsstadt, Kunststadt. Sitz der Landesregierung, des Landtags, der Oberfinanzdirektion. In jedem deutschen Lexikon beansprucht Düsseldorf wenigstens zwei Spalten.
Für mich bleibt Heinrich Heine „der größte Sohn“ der Stadt. Sonst ein weltgewandter Spötter, ein Dichter von göttlicher Bosheit, das 19. Jahrhundert hat keinen größeren dieser Art hervorgebracht, wird Heine ganz sentimental, wenn er an seine Heimatstadt denkt: „Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Mute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn.“