
Seit mehr als zwanzig Jahren verbringe ich intensive Teile meiner Lebenszeit hundert Kilometer nordwestlich von Hamburg, hinter Stade und vor Cuxhaven. Ich bin zuvor viel in Deutschland herumgezogen und als Journalist in der Weltgeschichte herumgekommen. Aber hier hinterm Deich der Oste habe ich Wurzeln geschlagen. Hier habe ich alte Häuser restauriert, hier habe ich Bäume gepflanzt und Bücher geschrieben und eine Tochter gezeugt.
Über die Jahre sind mir Land und Leute Heimat geworden. Mein Niedersachsen – das ist ein etwa hundert Quadratkilometer großes, weitgehend entwässertes Feuchtgebiet rings um Osten an der Oste, ein stilles Örtchen, das Naherholungstouristen wegen seiner Postkartenidylle mit Spitzturmkirche, dem „Fährkrug“ und der Schwebefähre, einem international gerühmten technischen Baudenkmal aus Kaisers Zeiten, schätzen.
In meinem ganz persönlichen Niedersachsen kommen die anderen knapp acht Millionen grundsympathischen Menschen viel zu kurz, die auf den übrigen 47500 Quadratkilometern zwischen Helgoland und Harz, zwischen Nordhorn und Lüneburg siedeln, die in Wilhelmshaven oder Wolfsburg, Goslar oder Göttingen leben. Sie alle bitte ich um Nachsicht.