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Sonnen und Baden in Mecklenburg

 

Mecklenburg__Strand

Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen ist es, am Strand in der Sonne zu liegen und zu baden. Hier in Mecklenburg hat diese Leidenschaft ihren Ursprung. 1793 wurde der kleine Ort Heiligendamm auf Empfehlung des herzöglichen Leibarztes als erster deutscher Badeort mit Sanatorium gegründet. Klassizistische Häuser von einiger Pracht zeugen noch heute davon. 1996 wurden sie an einen Investor verkauft, der nun wieder versucht, aus Heiligendamm ein mondänes Seebad zu machen. Mit Golfplatz und Grandhotel.

Aber das Wetter ist eben nicht so verlässlich wie an der Côte d’Azur. Und es gibt auch Probleme mit den Menschen aus der Umgebung und den „Normaltouristen“, die zum „Reichen gucken“ nach Heiligendamm pilgern. Das ist wohl auch nichts Neues, denn den Bauern und Fischern vor über hundert Jahren dürften die badenden Adligen ebenfalls reichlich merkwürdig vorgekommen sein. Hatten sie doch ihre Häuser jahrhundertelang weg vom Meer gebaut, windgeschützt, und baden zu gehen, das wäre meiner Urgroßmutter im Leben nicht eingefallen.

Der Schriftsteller Uwe Johnson (1934–1984) hat das schönste Portrait über das Mecklenburg zwischen 1930 und 1968 geschrieben. Die „Jahrestage“ – fast 2000 Seiten. Er kam nicht zurecht mit der DDR und verließ sie 1959. Aber auch die Bundesrepublik hat er immer mit Abstand und sehr kritisch gesehen. „Wo ich her bin, das gibt es nicht mehr“, sagt Gesine Cresspahl, die Hauptfigur dieses Romans, einmal in New York. Und hat wohl Recht damit, und doch schrieb Uwe Johnson ein Leben lang nur über Mecklenburg, selbst als er schon in Amerika lebte oder in England. Seine Gesine sagt aber an einer anderen Stelle auch: „Das Fischland ist das schönste Land der Welt.“

Und dem will ich mich anschließen. Einen Spaziergang möchte ich empfehlen von Ahrenshoop nach Wustrow an der Steilküste entlang, und das Meer liegt spiegelglatt und blau, oder der Wind peitscht es von Dunkelgrau ins Grün. Und wenn es Herbst wird, leuchtet der Sanddorn auf der Steilküste mit seinen silbernen Blättern und den orangenen Beeren. Ganz nebenbei ist man so von Vorpommern (Ahrenshoop) nach Mecklenburg (Wustrow) gelaufen.

Wenn ich lange genug in Berlin war, dann fliehe ich inzwischen wieder aus dem Trubel der Hauptstadt in die Ruhe des Nordens. Nach Ahrenshoop an die Steilküste, an den Schweriner See oder mit der Fähre auf die Insel Hiddensee. Dann bleibe ich gern für ein paar Tage – und bin hier zu Hause.

 



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Datum: 28.12.2006