
Der Norden des Landes ist wunderschön. Wir nannten das Land – zynisch wie die aus dem Ballungsgebiet Rhein-Main nun mal sind – Hessisch-Katanga. Dort bin ich mittlerweile am liebsten, weil man irgendwann das Unspektakuläre schätzen, spät im Leben und bei fortschreitender Weisheit lieben lernt.
Wenn es eine spezifisch hessische Landschaft gibt, ist es das Mittelgebirge. Was für ein langweiliger, Desinteresse geradezu herausfordernder Name für die abwechslungs- und überraschungsreiche Gegend, die wir durchmessen können, oft stundenlang ohne Menschen zu begegnen.
Oder ihren Spuren. Es sind dunkle Wälder, Märchen- und Räuberwälder, von denen es hier viel mehr gibt als der zivilisationsverseuchte Mensch sich vorstellen kann. Für Kinder, die nur die gekämmten und gebürsteten Wälder rings um die Stadt kennen, kann ein Ausflug in den Kellerwald oder das Knüllgebirge zur unvergesslichen Erfahrung werden. Was Wald ist, kann man hier noch sehen, im langsamen, bedächtigen Norden des Hessenlands.