
Hessen verstehen kann nur derjenige und auch nur diejenige, die die ethnische Sondersituation Hessens kennt. Die Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen, haben keinen direkten Zugang zum Meer, zu den Alpen und zum Ausland und daher keinen Kontakt zur Freiheit“, schrieb der Kabarettist Matthias Beltz. „Wer Hessen besuchen will, muss vorher durchs Fegefeuer der deutschen Autobahn-, Eisenbahn- und Flughafenkultur. Nur wenige, die hierherkommen, wollen hierbleiben. Das war schon während der Völkerwanderung so. Na dann!“
Es ist ein junges Land, grade mal ein gutes halbes Jahrhundert alt. Nie habe ich jemanden gehört, der gesagt hätte: Ich bin Hesse. Frankfurter, Kasseläner, Romröder, aus dem Odenwald, das ja. Alles Hessen und noch tausend Identitäten dazu, die alle haben bei sich bleiben dürfen und wollen. Hessen legt ein lockeres, freundliches Band um sie. Es zwängt niemanden ein mit Geschichtslast oder Städte-stolz, es ist nur eben da. Ziemlich erfolgreich im Kreise der Bundesländer, aber ohne Großmannssucht oder heimlichen Führungsanspruch. Hessen ist nicht glamourös oder tragisch. Es hat kein Meer, das hat der unvergessene Beltz ganz richtig gesehen, vielleicht sehnt es sich ja danach.